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Tierheilpraktikertage 2026 - Der Rückblick

Hinweis

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Der folgende Blog-Beitrag wurde erstellt und zur Verfügung gestellt von verschiedenen Teilnehmern der THP-Tage.

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Hohenroda-Wetter ist meistens gut, selten aber „zu gut“ wie in diesem Jahr: wir erwischten ein Extrem-Wochenende mit Temperaturen bis an die 40 Grad. Da war selbst das Bad im lauwarmen Schwimmteich keine wirkliche Erfrischung mehr.

Der Informationsvermittlung der Referent*innen, dem Wissensdurst der Teilnehmer*innen und dem Engagement der Aussteller*innen tat dies keinen Abbruch. Umso schöner sind tropische Temperaturen, wenn abends im Biergarten der informelle Teil startet, Freundschaften erneuert oder geschlossen werden, Aussteller*innen, Teilnehmer*innen und Referent*innen sich vernetzen, fachlicher Austausch stattfindet und in lockerer Atmosphäre auf neue Kenntnisse und Erfahrungen angestoßen wird.


Die Tiergesundheitsausstellung
Sowohl neue als auch bekannte ausstellende Unternehmen gaben einen vielfältigen Überblick über Praxisbedarf, Nahrungsergänzungen, Pflegemittel, Therapietechnik, Wundversorgung, Aus- und Weiterbildung, Ernährung und Vieles mehr. Wie immer waren alle Plätze frühzeitig vergeben, bedauerliche Absagen konnten wir kurzfristig durch „Nachrücker“ kompensieren. Vielen Dank noch einmal an alle Aussteller*innen, dass sie die Veranstaltung mit ihren Angeboten und Informationen bereichert haben.


Rezensionen der Vorträge

Eröffnungsvortrag
Prof. Dr. med. vet. Achim Gruber, Ph.D.: Krank durch Zucht: Hintergründe, Auswege und aktuelle Entwicklungen

Erwartungsgemäß (und verdientermaßen) war der herausragende Vortrag von Prof. Dr. Achim Gruber am Freitagabend der Spitzenreiter bei den Bewertungen auf unseren Evaluierungsbögen – auch wenn (oder weil?) er deutlich länger ausfiel als geplant. Aber keine*r der Zuhörenden drängte auf ein Ende, wir haben seine Ausführungen wirklich aufgesogen und ihm gebannt zugehört. Es war ein prägender Vortrag, der uns noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Beeindruckend war neben der hohen Sprachgeschwindigkeit (einfach unglaublich, wieviel Fachwissen und Hintergrundinformationen innerhalb 1 Minute Redezeit auf uns hereinbrachen …..) seine tiefe Verbindung mit dem Thema – der Referent wusste einfach in jeglichen Details, wovon er sprach, und man bemerkte sein „Brennen“ für das Thema, das er ausstrahlte.  Wiederum bestürzend war die Zeitachse, auf der sich darstellen ließ, wie sich innerhalb kürzester Zeit (im Vergleich zur Gesamtzeit des Zusammenlebens zwischen Hunden und Menschen) durch züchterische Eingriffe die Hundegesundheit der „Landrassen“ in die teilweise erbärmlichen Zustände der heutigen „Reinrassen“ verändert hatte.

Eindringlich auch die Zahlen der inzwischen über 800 bekannten Erbkrankheiten, die sich durch die extreme Selektierung auf bestimmte Zuchtziele mittlerweile etabliert haben. Damit ist der Begriff der „Reinrassigkeit“ nicht mehr als Qualitätssiegel anzusehen, sondern eher als Grund, besonders genau abzuwägen, ob und welche (reinrassige) Hunderasse man wählt. Auch bei Katzen haben wir in vielen Rassen inzwischen ähnliche tierschutzrelevante Gesundheitsprobleme, die durch Reinzucht entstanden sind. 

Hilfreich waren im Vortragsskript Links und Tipps, die zusätzliche Informationen liefern sowie Hilfestellung, zum Beispiel auch bei der Kaufentscheidung, leisten können. Zudem ließ uns Prof. Gruber am Ende mit dem Dilemma der „Defektzucht“ nicht allein, sondern stellte auch Lösungsansätze vor. Schön war bei allem Schwermut, den dieser Vortrag hinterließ, dass am Ende auch gangbare Wege in der Zucht hin zu gesünderen Hunden und Katzen aufgezeigt wurden. Wir nahmen als humorvolle Einlage zum Vortrag die Empfehlung mit, einen Hund zu kaufen, der aussieht, „wie Kinder ihn malen würden“: Mittelgroß, mit langer Schnauze, geraden Beinen und Rücken und langer Rute – es ist viel Wahres dran an den Kinderbildern! 

Es war ein rundum gelungener Vortrag, so viel Idealismus, gepaart mit der Begeisterung zu lehren! Auch wenn bei uns als Veranstalterinnen das schlechte Gewissen durchkam, Herrn Professor Gruber solange an diesem Abend bei uns gehabt und entsprechend spät in seinen wohlverdienten Feierabend entlassen zu haben, so waren wir doch sehr dankbar für jede kostbare Minute, die er uns gönnte mit seinen Ausführungen.

Die Saat ist gelegt – jetzt ist es (auch) an uns, die Botschaft in die hunde- und katzenhaltende Kundschaft hinauszutragen und den Finger an die Wunde zu legen – auch wenn´s ziept!

Christiane Gromöller


Monika Stangl: Homöopathische Notfallmittel bei psychischen Traumen/Homöopathie in der Wund- und Narbenbehandlung

Meine erste Anlaufstelle auf den THP-Tagen in Hohenroda 2026 waren die Vorträge der Tierheilpraktikerin Monika Stangl. Thema waren einmal „Homöopathische Notfallmittel bei psychischen Traumen“ und im Anschluss „Homöopathie in der Wund- und Narbenbehandlung“.

Ruhig, kompetent und sachlich hat uns Monika durch das spannende Thema geführt.

Die Homöopathie funktioniert nur mit einer detaillierten Anamnese.  Leitsymptom, Modalität und Kausalität führen uns zum passenden Mittel. Auch wenn wir oft gerne eine schnelle Lösung möchten, der Teufel liegt bekanntlich im Detail, oder im Simile. Ist dies erkannt geht es mit der Genesung doch schnell voran.

Die kleinen Dinge machen den Unterschied und so gibt es für jede Wunde, sichtbar oder unsichtbar, das passende Mittel. Von Monika wunderbar anschaulich und klar erklärt.

Meine Liebe zur Homöopathie hat sich weiter bestärkt. 

Danke nochmal an Monika für die Vorträge, die detaillierten Skripte und ihre unaufgeregte Art ..… sehr sympathisch!!!

Iris Saenger


Nadin Matthews: Vortragsreihe "Trauma - lieber keinem!?"

Was für ein Wochenende in Hohenroda! Nicht nur die Temperaturen, sondern auch die Themen der Tierheilpraktikertage rund um die Entstehung und die Therapie von Traumen waren heiß!

Nadin Matthews, die für zwei Vorträge am Samstagnachmittag gewonnen werden konnte, zählt zu den besten Hundetrainer*innen Deutschlands und bildet selbst Hundetrainer*innen und Dogwalker*innen aus. Als Robert Mehl, mit dem sie zusammenarbeitet, kurzfristig seine beiden Vorträge am Samstagvormittag zu “seelischen Traumen und Wunden beim Tier“ absagen musste, hat sie auf Anfrage kurzerhand diese übernommen und zur Gesamtthematik eine 4-teilige Vortragsreihe konzipiert. Die ersten beiden Vorträge hatte ich das Vergnügen besuchen zu können.

Deren Inhalte waren vielfältig:

Es ging um die Definition von Trauma, Traumafolgestörungen, Formen traumatischer Erfahrungen nach Lenore Terr und vieles mehr. Belegt wurde alles mit Skalen und Schemata, zu denen mein Gehirn keinen Zugang findet. Doch Nadine Matthews vermittelte die Bedeutung dieser Forschungsergebnisse so lebendig und humorvoll, dass auch ich verstanden habe, um was es geht!

Sie konnte die wissenschaftlichen Fakten zu diesem großen Thema “Trauma“ kurzweilig und authentisch beschreiben und fügte aus ihrer großen Erfahrungsschatzkiste viele erklärende Beispiele hinzu.

Mein wichtigster Satz aus ihren Vorträgen war: Trauma beginnt, wo Sicherheit endet.

Für mich wird dadurch wieder klar, dass Tierhalter*innen beim Thema Trauma immer mit ins Boot geholt werden müssen.

Herzlichen Dank für drei spannende Stunden!

Jahin Gehl

 

In der Praxis begegnen mir viele traumatisierte Hunde, nicht zuletzt durch die Hunde, die aus dem Auslandstierschutz zu uns kommen. In die Tierheilpraxis kommen sie zumeist wegen körperlicher Symptome, die häufig, beleuchtet durch eine umfassende Anamnese, im Zusammenhang mit traumatischen Ereignissen stehen. Daher fand ich das Angebot dieser Vortragsreihe ausgesprochen spannend für meine tägliche Arbeit.

Die ersten beiden Teile am Vormittag, drehten sich um die Grundlagen traumatischen Erlebens bei Hunden und das Verständnis der Trauma-Symptomatik. Dieser Part war zunächst für den Referenten Dr. Robert Mehl angesetzt und wurde nach dessen Ausfall von Nadin kurzfristig und souverän übernommen. Nach dieser theoretischen Einführung ging es am Nachmittag in Teil 3 und 4 um praktische Ansätze der Traumatherapie beim Hund und deren Umsetzung.

Beleuchtet wurden traumatherapeutische Verfahren aus der Humantherapie und deren Übertragbarkeit auf und Umsetzbarkeit in die Therapie beim Hund. Eindrücklich schilderte Nadin, dass es wenig zielführend ist, die Symptomatik eines traumatisierten Hundes „abzutrainieren“, also das Symptom – wie z. B. Aggression – zu bekämpfen, da es als Ausdrucksmöglichkeit des Hundes zu sehen ist. Nimmt man ihm diese Möglichkeit, verschiebt sich das Problem lediglich und verlagert sich, was sich wiederum durch neue emotionale, aber auch physische Symptome zeigen kann. Ein Aspekt, den ich als ganzheitlich denkende Therapeutin als ausgesprochen schlüssig nachvollziehen konnte.

Das setzt in der Traumatherapie ebenfalls eine gründliche Anamnese voraus, um ein Verständnis für den Hund zu entwickeln und ihn anzunehmen, wie er ist. Es erfordert gleichfalls Feingefühl für den Menschen als Hundebesitzer*in, der ja gekommen ist, um das Problem (= Verhaltensauffälligkeit als Symptom) loszuwerden. Verhalten muss zunächst verstanden werden, bevor es verändert werden kann.

Nadin zeigte, wie wichtig die Rolle der Therapeut*innen und ihre Fähigkeiten sind, die neben Fachwissen auch persönliche Kompetenzen einschließen. Neben einer guten Beobachtung und Diagnostik bildet die Verhaltensanalyse die Grundlage therapeutischen Handelns.

Ein wichtiger Teil der Traumatherapie beim Hund ist die Arbeit mit dem Menschen – sei es, das Management im Alltag zu optimieren, aber auch für die Arbeit notwendige Kenntnisse über Verhalten, Trauma und Nervensystem zu vermitteln. Zu der therapeutischen Arbeit gehören Einordnung der Symptome (auch der physischen), Raumgeben der Emotionen in für alle Beteiligten sicherem Rahmen, Beziehungsgestaltung im Alltag und körperpsychotherapeutische Arbeit. Nadin erläuterte in diesem Zusammenhang die Begriffe der Co- und Selbstregulation und korrigierende Beziehungserfahrungen (um dem Hund in der Vergangenheit versäumte Erfahrungen wie Schutz, Orientierung, verlässliche emotionale Verfügbarkeit zu vermitteln).

Als wichtig stellte die Referentin dar, zu erkennen, dass eine Belastung nicht rückgängig gemacht, aber eine Entwicklung angeschoben werden kann, um neue Erfahrungen zu machen, die dem Hund letztlich zu mehr Lebensqualität verhelfen.

Nadin konnte dieses komplexe Thema lebendig und alltagstauglich vermitteln, was uns einen Einblick in ihre spannende und so wichtige Arbeit, die Arbeit mit traumatisierten Hunden, gewährte. Besonders erfreulich fand ich ihre Haltung zur interdisziplinären Arbeit – ob mit Osteopath*innen, Akupunkteur*innen usw., getreu dem Motto: gemeinsam für den Hund!

Stefanie Olhöft


Stefanie Schult: Stress durch Traumata bei Katzen

Stefanie Schult ist Tierheilpraktikerin mit den Schwerpunkten klassische Homöopathie für Katzen und Kaninchen sowie Verhaltensberatung für Katzen.

In ihrem Vortrag von zwei Mal 1,5 Stunden erläuterte Stefanie Schult zunächst das arttypische Verhalten von Katzen. Im Anschluss definierte und erklärte sie, was sowohl akuter, als auch chronischer Stress auf körperlicher Ebene bedeutet und welche Auswirkungen der Stress hat. 

Auch die Auswirkungen auf das Verhalten und die Gesundheit, vor allem von chronischem Stress, kamen dabei nicht zu kurz. Im Anschluss wurden die möglichen Stressoren von Katzen erläutert. Der Fokus lag dabei auf dem Alltag von Katzenhaltenden und Katzen. 

Im weiteren Verlauf definierte Stefanie Schult den Begriff des seelischen Traumas, was mögliche Auslöser seelischer Traumen sein können, und wie die Auswirkungen zu erkennen sind. Das individuelle Stressbewältigungsvermögen, die Stressprävention vor potenziell stressauslösenden Situationen sowie der Umgang mit Katzen, welche unter Stress stehen oder/ und an Traumafolgen leiden, rundeten den sehr gelungenen Vortrag ab.

Stefanie Schult gelang es hervorragend, den Therapeut*innen ein Verständnis für Stress und Traumatisierungen bei Katzen sowie hilfreiche Handlungsoptionen zum Umgang mit diesen Katzen zu vermitteln. 

Christiane Miserre


Prof. Dr. Konstanze Krüger-Farrouj: Tierschutzrelevante und stressauslösende Aspekte der Pferdehaltung und deren Vermeidung

Frau Prof. Dr. Krüger-Farrouj lehrt und forscht als Tiermedizinerin und Zoologin an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen im Fachbereich Pferdehaltung.

Zunächst erläuterte Frau Dr. Krüger-Farrouj in ihrem Vortrag die Bedürfnisse des Pferdes sowie die Leitlinien für Pferdehaltung nach Tierschutzgesichtspunkten in Bezug auf die unterschiedlichen Haltungsformen. Im Anschluss erörterte sie mögliche Mängel in der Pferdehaltung in Bezug auf die Bedürfnisse der Pferde, insbesondere an welchen Merkmalen oder an welchem Pferdeverhalten diese erkannt werden können und wie mögliche Lösungen aussehen könnten oder sollten. 

Der Doppelvortrag à 1,5 Stunden war gespickt von neuesten Studienergebnissen zu Stress bei Pferden, welche Frau Dr. Krüger-Farrouj gemeinsam mit den Studierenden durchgeführt hat. Beispielsweise präsentierte sie aktuelle Erkenntnisse zu unterschiedlichen Methoden der Eingliederung neuer Pferde in bestehende Herden, zur Hengst- sowie zur Hengst/ Wallach-Gruppenhaltung, zum Platzbedarf oder zur Umstellung junger Pferde von der Gruppen- zu Boxenhaltung.

Im Anschluss wurde noch ein kurzer Exkurs zum Verständnis der sensorischen und motorischen Lateralität bei Pferden unternommen, zu diesem Thema hat Frau Dr. Krüger-Farrouj auf den Tierheilpraktikertagen 2024 referiert und ein Buch veröffentlicht. 

Insgesamt war es die Arbeit in unseren Praxen sehr bereichernder und spannender Vortrag.

Christiane Miserre


Dr. med. vet. Silke Stricker: Magenulcera beim Pferd

Die Statistik, wie viele Pferde von EGUS betroffen sind, ist erschreckend, leiden doch je nach Nutzung, Haltung, Ernährung und weiterer Umweltfaktoren bis zu 65% der Pferde darunter.

Daher war es umso bedeutender, dass die sowohl schulmedizinisch als auch in klassischer Homöopathie, Phytotherapie und Regulationsmedizin erfahrene Tierärztin Dr. med. vet. Silke Stricker sich des Themas angenommen hatte.

Mit einem Abriss der Anatomie des Magens und der Physiologie der Magenverdauung stieg sie in das Thema ein und machte deutlich, welche Faktoren und Prozesse zu einem „Magengeschwür“ beim Pferd führen bzw. dieses begünstigen, welche Anzeichen auf die Erkrankung hindeuten können und wie die Diagnose erfolgt.

Die schulmedizinische Therapie mit seinen Vor- und Nachteilen insbesondere bei Langzeitanwendungen, war ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags. Die naturheilkundliche Begleitung der Behandlung sowie die Anpassung von Fütterung und Haltung gemeinsam mit den Pferdebesitzer*innen ist das A und O des Erfolges. Ein Fokus muss dabei auch z.B. auf das in der Duodenalflüssigkeit von Pferden mit Magenulcera nachgewiesene Glyphosat gerichtet werden, das mit Hilfe von Huminsäuren im Organismus gebunden und ausgeleitet werden kann.

Therapeutisch kann vor allem die Phytotherapie (schleimbildend, antiinflammatorisch, schleimhautberuhigend und -schützend) angewandt werden. Auch die Ergänzung von Omega-3-Fettsäuren (marine Öle) ist ein wichtiger Bestandteil in der Optimierung der Fütterung. Sowohl die Mykotherapie als auch besonders die Homöopathie mit ihrem Blick auf das gesamte Tier mit seinen individuellen Empfindlichkeiten, ist sehr hilfreich. Basis bleibt ein ganzheitliches Fütterungsmanagement und ein aufmerksamer Blick auf das Sozialgefüge der Pferdegruppen.

Dr. Strickers Vortrag gab uns wieder einmal viel Input an die Hand, wie wir die Halter*innen beraten und unsere Therapien zum Wohle der Pferde einsetzen können.

Kristin Trede


Jessica Fischer: Erste Hilfe beim Pferd, Wundarten und Wundversorgung, Narbenbehandlung

Der Vortrag „Erste Hilfe am Pferd“ durch die TMFA und THP/TO Jessica Fischer blieb leider sehr hinter den Erwartungen zurück. Für Pferdehaltende sicher eine gute Informationsbasis, blieb er doch für uns als Tiertherapeut*innen zu oberflächlich. Hier hätten wir uns alle mehr Tiefe gewünscht. 

Umso mehr haben uns die Vorträge zur Wund- und Narbenversorgung wichtige Informationen geliefert. Beim Wundmanagement wurden die einzelnen Heilungsphasen bei Hautverletzungen noch einmal dargestellt, die Wundarten mit ihren Risiken und Ansprüchen in der Versorgung klar herausgearbeitet und spezielle Wundgeschehen bei Kleintieren und Pferden explizit erwähnt. Fotos zu Wunden und Heilungsverlauf rundeten den guten Vortrag ab. 

Auch wurden diverse Möglichkeiten der Wundversorgung in Abhängigkeit des Wundzustandes vorgestellt, sowohl Verbandmaterialien als auch lokale Pflege- und Wundbehandlungsmittel aus der Schulmedizin, Bilder dazu erleichterten den Überblick. Dazu gehörten zudem Informationen zur Verbandlehre und dem Aufbau eines korrekten und hygienisch einwandfreien Wundverbandes, wo notwendig. 

Bei den naturheilkundlichen Möglichkeiten zur Wundversorgung wurde ein breiter Strauß an phytotherapeutischen Einsatzmöglichkeiten (äußerlich-lokal wie auch innerlich zur systemischen Unterstützung) und homöopathischen Mitteln gebunden, darüber hinaus fanden Laserfrequenztherapie, Blutegel, Vitalpilze und diverse Nahrungsergänzungsmittel mit vorteilhafter Wirkung für die Wundheilung und Hautregeneration Raum. Wichtig waren zudem die Tipps für eine ausreichende Wunddokumentation per Foto – etwas, was im Praxisalltag allzu leicht vergessen wird.  Insofern konnte aus diesem Vortrag sehr viel mitgenommen werden für die tägliche Praxis zuhause – unabhängig, ob man es mit akuten oder chronischen/ schlecht heilenden Wunden zu tun hat.

Im folgenden Vortrag zum Narbenmanagement stellte Jessica Fischer zunächst die verschiedenen Narbenarten vor und wies zudem auf deren weitreichende Auswirkungen auf Faszien und damit unter Umständen auch auf den gesamten Körper hin. Ein wichtiger Hinweis war in diesem Kontext zudem, bei der Anamnese prinzipiell nicht nur nach OPs (und deren Narben) zu fragen, sondern auch weiter zu bohren in der Fragestellung gegenüber den Tierhaltenden nach Verletzungen, die evtl. zur Narbenbildung (und damit zur Ausbildung eines möglichen Störfeldes am Körper) beigetragen haben könnten. Etwas, was oftmals bei der Anamneseerhebung leicht untergeht oder in seiner Bedeutung und Einflussnahme unterschätzt wird. 

Die Einflüsse von bestimmten Narben, z. B. die Kastrationsnarbe bei Hündin oder Wallach, wurden klar dargestellt in ihrer Reichweite über Faszien bis hin in weitere Körperstrukturen und -areale, die Referentin beschrieb mögliche Symptome, die manchmal gar nicht mehr mit der ursächlich zugrunde liegenden Narbe in Verbindung gebracht werden. Genaue Hinweise zur Narben-Untersuchung und einer ersten Einschätzung auf mögliche Folgeketten rundeten den ersten Teil des Vortrages ab. 

Beim Narbenmanagement bekam die manuelle Narbenmobilisation ebenso ihren Raum wie die Faszienbehandlung und Osteopathie. Möglichkeiten der Narbenbehandlung mit kinesiologischen Tapes, Laser- oder Magnetfeldtherapie, Akupunktur und Blutegeleinsätzen machten das Bild rund. Zusätzlich fanden noch innerliche und äußerliche Anwendungen von Homöopathie, Phytotherapie, Vitalpilzen sowie Schüssler Salzen ihre Erwähnung, darüber hinaus gab es auch hier Tipps zu Nahrungsergänzungsmitteln. Wichtig in diesem Kontext war die Besprechung der Grenzen der Tierheilpraxis beim Wund- und Narbenmanagement. Insofern waren diese beiden Vorträge ein wertvoller Input für Neulinge und „alte Hasen“. 

Christiane Gromöller


Tanja Patschkowski: Tierkommunikation bei seelischen Traumen

Der Sonntag startete wieder mit warmen Temperaturen aber zum Glück gut klimatisiertem Vortragsraum mit dem Vortrag „Tierkommunikation bei seelischen Traumen“.

Tanja Patschkowski berichtete uns, was Tierkommunikation bedeutet, wie sie entstand und wie ihr eigener Weg zur Tierkommunikation verlief.  Sie zeigte auch einige wichtige Qualitätsmerkmale der Ausbildung auf.

Anschaulich erfuhren wir anhand von Praxisbeispielen die vielen Möglichkeiten einer Kommunikation mit Tieren speziell bei verschiedenen Traumata. Auch die Wichtigkeit der Einbeziehung des Tierbesitzers und die Achtsamkeit im Umgang mit jedem Individuum ließ sie dabei nicht außen vor. 

Tanja hat es geschafft, jede*n Teilnehmer*in interaktiv einzubeziehen. Mal spannend, mal emotional verlief der Vortrag sehr kurzweilig und macht Lust auf mehr. 

Gaby Papp


Miriam Steinmetz: Erste Hilfe bei Hund und Katze

Der Erste-Hilfe-Vortrag für Hunde und Katzen, den Miriam Steinmetz auf den Tierheilpraktiker-Tagen in Hohenroda gehalten hat, war äußerst praxisnah und gut strukturiert. Ihre jahrelange Erfahrung als Tierheilpraktikerin war deutlich zu spüren. Sie verstand es, komplexe Notfallsituationen verständlich und ruhig zu erklären und den Teilnehmenden Sicherheit im Umgang mit kritischen Momenten zu vermitteln.

Der Aufbau des Vortrags folgte einem klaren roten Faden: 

Zunächst wurden Grundlagen der Herz-Lungen-Wiederbelebung vorgestellt, inklusive typischer Fehler und konkreter Handgriffe, die im Ernstfall Leben retten können. 

Anschließend ging sie auf den Notfall „Magendrehung“ ein und zeigte, wie wichtig das rasche Erkennen der Symptome und das sofortige Handeln sind. 

Den dritten Schwerpunkt bildeten Vergiftungen – hier wurden typische Giftquellen, Warnzeichen und sinnvolle erste Maßnahmen anschaulich beschrieben, ohne falsche „Hausmittel“ zu verharmlosen.

Besonders positiv hervorzuheben ist, dass Theorie und praktische Beispiele eng miteinander verknüpft waren: Die Referentin arbeitete mit Fallbeispielen aus ihrer langjährigen Praxis, beantwortete Fragen und gab klare, gut merkbare Handlungsschritte an die Hand. Der Vortrag war sowohl für Einsteiger*innen als auch für erfahrene Tiertherapeut*innen geeignet und macht deutlich, wie wichtig fundiertes Erste-Hilfe-Wissen für Tierhalter*innen und Tierheilpraktiker*innen ist – ein rundum empfehlenswerter Beitrag im Rahmen der Tierheilpraktiker-Tage.

Sabrina Lingrün


Claudia Horn: Aromatherapie bei Traumen

Der Vortrag über Aromatherapie von Claudia Horn war schön gestaltet. Schon zu Beginn wurden alle von einem Aromadiffusor empfangen, der einen angenehmen Duft im Raum verteilte. Frau Horn erklärte zu Beginn, was ätherische Öle überhaupt sind, wie sie gewonnen werden, und wann und wo sie in der Vergangenheit eingesetzt wurden.

Nach einer Exkursion zu den Substanzen, der Herstellung und den Qualitätsunterschieden wurden auch die Anwendung beim Tier ausführlich erläutert. Auch durfte jede*r Teilnehmer*in einmal einige Düfte selbst beschnuppern und es wurde ein Duft in der Handfläche ausprobiert, ohne zu wissen was es ist.

Leider musste der Teil wann welche Öle bei welchen Erkrankungen zum Einsatz kommen aus Zeitgründen übersprungen werden. Hier blieb den Teilnehmer*innen nur das Nachlesen im Skript.

Zum Schluss zeigte Frau Horn uns noch einige Fallbeispiele aus Ihrer Praxis und erklärte, welche Öle sie hier eingesetzt hatte.

Ursula Aierstock


Birgit Lopez: Akupunktur in Akut- und Notfällen

Auf diesen sehr spannenden Vortrag mit Birgit Lopez hatte ich mich schon sehr gefreut. 

Im ersten Teil des Vortrages ist Frau Lopez sehr ausführlich auf die Grundlagen der Akupunktur eingegangen. Für Akupunktur-Neulinge wäre es ein super Vortrag gewesen. Bedauerlich, dass im zweiten Teil des Vortrages nur noch wenig Zeit für das eigentliche spannende Thema „Akut-u. Notfallakupunktur“ verblieb. Ich hätte mir in diesem Vortrag weniger Grundlagen, sondern mehr Fälle bzw. Einsatz der Akupunktur in der Praxis gewünscht. 

Mein Fazit zu diesem Vortrag: Für Anfänger*innen eine gute Wiederholung, für erfahrene Therapeut*innen ist jedoch der letzte spannende Teil des Themas zu kurz gekommen. 

Tanja Patschkowski


Manja Benedict: Der Emotionscode – emotionale Blockaden bei Tieren lösen

Passend zum Leitthema „Körperliche und seelische Traumen“ bot Manja Benedict eine spannende Einführung in den EmotionsCode nach Bradley Nelson.

Der Emotionscode ist eine energetische Methode, die davon ausgeht, dass unverarbeitete Emotionen als energetische Blockaden im Körper gespeichert werden. Mithilfe eine Frageschemas und kinesiologischer Muskeltests werden diese aufgespürt und anschließend durch eine Anwendung entlang des Lenkergefäßes gelöst.

Nach einem verständlich vermittelten theoretischen ersten Teil stand im zweiten Teil vor allem das praktische Arbeiten im Mittelpunkt: Unter Manja Benedicts Anleitung konnten die TeilnehmerInnen die kinesiologischen Abfragen nach der EmotionsCode-Tabelle und den Ablauf der Methode sowohl an menschlichen als auch an tierischen Übungspatienten ausprobieren.

Der Kurs war spannend und praxisnah gestaltet. Schnell wurde deutlich, dass der Emotionscode eine interessante Methode ist, deren sichere Anwendung jedoch vor allem eines braucht: Übung.

Manja Benedict führte die Gruppe mit viel Ruhe, Fachwissen und Geduld durch die praktischen Übungen und schuf eine offene, angenehme Lernatmosphäre. Ein inspirierender Workshop, der Lust macht, sich intensiver mit dieser Methode zu beschäftigen.

Nadja Urban


Jahin Gehl: Traumen aus biodynamischer Sicht

Jahin Gehl referierte über Traumabedeutung und Traumaheilung aus Sicht der biodynamischen Craniosacral-Therapie.

Im ersten Teil des Vortrages gab es eine interessante Einführung in die Entstehung und Bedeutung der biodynamischen Craniosacral-Therapie.

Wir haben zunächst theoretisch einen ausführlichen Einblick bekommen, wie die Einheit Cranium und Sacrum mit dem Rückenmark in Verbindung steht, welche Wechselbeziehungen zu den verschiedenen Funktionseinheiten des Körpers (Nerven-, Hormon-, Muskelsystem usw.) bestehen und wie sich das Alles aus der Embryonalphase entwickelt. 

Passend zum Thema des Wochenendes lag das Hauptaugenmerk auf der Traumaentstehung und auf der Traumabewältigung. Eine zentrale Rolle hierbei kommt der Amygdala als Teil des limbischen Systems zu.

Sehr beeindruckend waren die praktischen Übungen im zweiten Teil. Jahin Gehl hat uns toll angeleitet und mit viel Begeisterung durch die Übungen geführt. Vor allem konnten wir lernen, wie wir mit der biodynamischen Craniosacral-Therapie Einfluss auf die Amygdala nehmen können, um damit den Körper zu bitten, ein Trauma zu heilen.

Es war ein sehr intensiver Vormittag, an dem alle Teilnehmer*innen viel mitnehmen konnten. Die praktischen Übungen waren so angelegt, dass man sie nach dem Kurs im Alltag sofort anwenden kann.

Göntje Verbarg-Roppelt


Abschlussveranstaltung
Angelika Lutz: Wie gelingt gute Kommunikation? Compliance beim Tierhalter sichern und Umgang mit schwierigen Tierhaltern

Den Abschlussvortrag bei den Tierheilpraktikertagen 2026 mit dem Titel „Compliance beim Tierhalter sichern und der Umgang mit schwierigen Situationen“ hat Angelika Lutz gehalten. Sie ließ sich dabei weder von der Hitze noch vom fächelnden Publikum aus der Ruhe bringen. Als Tierheilpraktikerin und Heilpraktikerin für Psychotherapie arbeitet Angelika mit Menschen und Tieren und hat uns einen Einblick in die Kommunikation zwischen Tierheilpraktiker*in, Tierbesitzer*in und Patient*in (die Kommunikation findet im Dreieck statt) gegeben.

Was ist überhaupt Compliance (es ist die Bereitschaft des Patientenhalters, aktiv an therapeutischen Maßnahmen mitzuarbeiten) und Kommunikation? Wie gestalte ich Kommunikation und welche Kommunikationswege gibt es? Welche Schwierigkeiten und Störungen in der Kommunikation können auftauchen? Wir haben gelernt, wie wichtig Spiegelneuronen im Miteinander sind und wie wir über sie Einfluss auf die Kommunikation nehmen können. 

Kleine Atemübungen, kurze Bewegungen mit Händen und Füßen können die Präsenz im Hier und Jetzt verbessern und auf eine aktive Kommunikation hinwirken. In manchen Fällen können sich Traumata bei Patientenbesitzer*innen über das Tier zeigen. Das Tier wird dann zum Anzeiger für Störungen im Familiensystem. Umso wichtiger ist die volle Aufmerksamkeit und Präsenz des/ der Tierheilpraktiker*in während der Gespräche mit den Patientenbesitzer*innen, um solche Besonderheiten zu erfassen. 

Letztendlich gilt: „Gelingt die Kommunikation, ist Compliance ein gern gemachtes Angebot.“

Vielen Dank für den interessanten und lehrreichen Vortrag zum Abschluss dieser schönen Tagung!

Lina Francke-Weltmann

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Wenn “geprüft” nicht geprüft bedeutet

Hinweis

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Der folgende Blog-Beitrag wurde erstellt und zur Verfügung gestellt von Antje Gampe, www.tierheilpraxis-gampe.de 

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Ein Praxisfall zur kritischen Bewertung von TCM-Ergänzungsfuttermitteln

(geschwärzte Fassung für Veröffentlichung)

Einleitung

“Keine Nebenwirkungen bekannt” steht auf der Verpackung vieler pflanzlicher Ergänzungsfuttermittel für Tiere – auch bei komplexen Vielstoffgemischen aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), die über Monate an Hunde, Katzen, Meerschweinchen und andere Kleintiere jeden Alters, einschließlich trächtiger und säugender Tiere, verabreicht werden sollen.

Mein Ausbilder hat es uns während der gesamten Ausbildung gebetsmühlenartig eingeschärft: genau hinschauen, überprüfen, reflektieren, hinterfragen – auch die eigene Behandlung, auch das, was “sanft” und “natürlich” erscheint. Dieser Artikel dokumentiert den Fall, an dem sich gezeigt hat, wie wichtig dieser Satz tatsächlich ist. Er beschreibt nicht nur, was am Ende herauskam, sondern auch den Weg dorthin – vom ersten Stutzigwerden bis zur schriftlichen Bestätigung des Herstellers, dass sein Prüfprogramm die entscheidende Frage nie gestellt hat.


Der Fall

Vorgeschichte
Die Patientin, ein Meerschweinchen, geboren am 15.10.2025, hatte von Beginn an einen belasteten Start ins Leben. Im Dezember 2025 erkrankte sie an Kokzidiose, begleitet von Schnupfen. Der Schnupfen heilte nicht folgenlos aus, sondern wurde chronisch und gipfelte im März 2026 in einer Lungenentzündung. Eine Röntgenaufnahme zeigte zusätzlich eine Organverlagerung des Herzens. Es stand kritisch um sie – sie hat beide Episoden (Kokzidiose und Lungenentzündung) überlebt, blieb aber ein chronisch krankes Tier mit entsprechend vorbelastetem Organismus. Zur Stabilisierung erhielt sie seither zweimal täglich eine Inhalation mit einem Gemisch aus Kochsalzlösung und Dexafast sowie einmal täglich den Entzündungshemmer Meloxicam.

Der akute Anlass
Im Juli 2026 zeigte die Patientin trotz laufender Meloxicam-Gabe Schmerzen beim Urinieren. Die Urinprobe war rostrot verfärbt, der Urinstick bestätigte Blut im Urin. Die Tierärztin verordnete Orniflox für zunächst acht Tage, Meloxicam und Inhalation liefen unverändert weiter.

Weil die Patientin bereits eine derart belastete Vorgeschichte hatte und ein chronisch kranker Organismus mit einer entsprechend höheren Empfindlichkeit vorlag, entschied ich mich, zusätzlich ein vermeintlich mild wirkendes Naturheilmittel einzusetzen – mit dem Ziel, die Dauer der Antibiotikumgabe so kurz wie möglich zu halten.

Der Punkt, an dem etwas nicht mehr zusammenpasste
Die Blutwerte im Urin gingen zunächst zurück, jedoch nie vollständig. Die Orniflox-Gabe wurde daraufhin auf insgesamt 14 Tage verlängert. Doch auch danach blieben die Werte bei konstant rund 300 Erythrozyten pro Mikroliter stehen – keine weitere Besserung, trotz mittlerweile über einer Woche Antibiotikumgabe.

Das war der Moment, an dem ich stutzig wurde. Ein wirksames Antibiotikum über acht, dann vierzehn Tage, ohne dass sich die Werte normalisieren – das passte einfach nicht zusammen. Ich habe lange gegrübelt, alle Variablen der Behandlung noch einmal durchdacht, und bin dabei auf das zusätzlich gegebene Naturheilmittel gestoßen – ein TCM-Kombipräparat, das im Folgenden aus rechtlichen Gründen nicht namentlich genannt wird (Angaben dazu auf Anfrage bei der Autorin).

Genau an diesem Punkt begann die Recherche, die diesem Artikel zugrunde liegt.


Chronologie der Aufklärung

Der Weg vom ersten Verdacht bis zu den hier dargestellten Erkenntnissen verlief in mehreren Schritten, die ich bewusst nachzeichne, weil sie zeigen, dass es keine einzelne “Enthüllung” war, sondern ein schrittweises, hartnäckiges Nachfragen:

1.          Zusammensetzung prüfen. Anhand des Etiketts wurde jede einzelne Zutat des Präparats auf ein mögliches Potenzial für Hämaturie sowie auf Wechselwirkungen mit Orniflox und Meloxicam durchleuchtet. Dabei fiel die Kräuterkomponente Akebia trifoliata auf – in der TCM auch als “Mu Tong” bezeichnet, ein Name mit einer bekannten, seit den 1990er-Jahren dokumentierten Verwechslungsgeschichte mit der nierenschädigenden Gattung Aristolochia (siehe Quellenverzeichnis).

2.          Erstes Analysenzertifikat anfordern. Der Hersteller übersandte auf Anfrage ein tabellarisches Dokument ohne Laborname, ohne Akkreditierungsnummer, ohne Analysedatum und ohne jede Angabe zu Aristolochiasäure.

3.          Gezielt nachhaken. Eine zweite, präzisere Anfrage forderte ausdrücklich das vollständige Originaldokument mit Laborkopfbogen sowie eine klare Aussage zu einem spezifischen Aristolochiasäure-Test.

4.          Website-Aussagen prüfen. Der Hersteller hatte auf seiner Website behauptet, alle Zutaten seien im europäischen Feed Materials Register gelistet und ausdrücklich auf Aristolochiasäure geprüft, durchgeführt von einem namentlich genannten, akkreditierten Labor in den Niederlanden. Eine Prüfung des Feed Materials Register selbst ergab: Es handelt sich um eine reine Selbstmelde-Datenbank ohne behördliche Inhaltsprüfung.

5.          Wayback-Machine-Snapshot sichern. Nach der zweiten Anfrage wurde der Hinweis auf dieses Labor kommentarlos von der Herstellerwebsite entfernt. Ein Snapshot vom 19.12.2025, gesichert über das Internet-Archiv (“Wayback Machine”), dokumentiert den ursprünglichen Wortlaut.

6.          Herstellerantwort auswerten. Der Hersteller bestätigte schriftlich: Der Hinweis auf dieses Labor sei veraltet gewesen; eigene Gegenuntersuchungen in den Niederlanden seien vor längerer Zeit eingestellt worden, da sie stets mit den Angaben des chinesischen Lieferpartners übereinstimmten; für die betroffene Charge existiere kein entsprechender Prüfbericht; zugesandt wurde stattdessen ein Bericht für eine vier Jahre ältere Charge.

7.          Den alten Prüfbericht selbst auswerten. Der übersandte Prüfbericht (eine andere, vier Jahre ältere Charge, Probenahme Mai 2018) prüft ausschließlich Schwermetalle, Mykotoxine, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und mikrobiologische Parameter. Eine botanische Identitätsprüfung oder ein Aristolochiasäure-Test ist nicht enthalten.

8.          Schriftliche Bestätigung des zentralen Punkts. Auf ausdrückliche Nachfrage bestätigte der Hersteller wörtlich, dass die Prüfberichte “ausschließlich auf Verunreinigungen” basieren und “nicht der Überprüfung der in einer Rezeptur enthaltenen Kräuter und Pflanzen” dienen.

Erst die Kombination all dieser Schritte ergab ein vollständiges Bild. Jeder Schritt für sich hätte sich noch relativieren lassen – die Summe lässt das kaum mehr zu.


Die Zusammensetzung: ein bekanntes Risiko

“Mu Tong” ist kein botanischer, sondern ein funktionaler Handelsname – er beschreibt sinngemäß die harntreibende, “durchgängig machende” Wirkung, nicht eine bestimmte Pflanze. Über die Jahrhunderte wurde die botanische Quelle, die unter diesem Namen gehandelt wurde, mehrfach ausgetauscht:

Zeitraum

Botanische Quelle

Handelsname

bis ca. 17. Jahrhundert

Akebia-Arten (u. a. Akebia trifoliata)

schlicht “Mu Tong”

17. Jh. bis frühes 20. Jh.

Clematis-Arten aus der Provinz Sichuan

“Chuan Mu Tong” (“Chuan” = Sichuan)

ab den 1950er-Jahren

Aristolochia manshuriensis aus der Mandschurei

“Guan Mu Tong” (“Guan” = Nordostchina/Mandschurei)

Akebia trifoliata ist damit die historisch ursprüngliche Quelle von Mu Tong. “Chuan” und “Guan” sind Regionalpräfixe, die eigentlich klarstellen sollen, welche der drei botanisch unterschiedlichen Pflanzen jeweils gemeint ist. Im Handel werden diese Präfixe jedoch häufig weggelassen – alle drei Pflanzen zirkulieren teils schlicht unter der Bezeichnung “Mu Tong”. Da Aristolochia manshuriensis seit den 1950er-Jahren die mengenmäßig dominante, günstigere Quelle wurde, besteht dadurch das Risiko, dass unter der Bezeichnung “Mu Tong” oder auch “Akebia” tatsächlich Aristolochia-Material verarbeitet wird, ohne dass dies auf dem Etikett erkennbar wäre. Verschärft wird dies dadurch, dass zeitweise selbst offizielle Ausgaben des chinesischen Arzneibuchs nur noch “Chuan Mu Tong” und “Guan Mu Tong” als eigene Einträge führten, nicht aber die einfache Bezeichnung “Mu Tong” – ein Umstand, der in der Fachliteratur ausdrücklich als Ursache ernsthafter Verwechslungen dokumentiert ist.

Aristolochia-Arten enthalten Aristolochiasäuren, die nachweislich stark nierenschädigend und krebserregend wirken (Aristolochiasäure-Nephropathie, Urothelkarzinome).

Diese Verwechslungsproblematik ist gut dokumentiert und keine theoretische Randnotiz. In den 1990er-Jahren entwickelten in Belgien mehr als hundert Personen ein rapide fortschreitendes Nierenversagen, nachdem in einem Schlankheitsmittel die Pflanze Stephania tetrandra durch die aristolochiasäurehaltige Aristolochia fangchi ersetzt worden war – beide werden im Chinesischen unter demselben Namen (“Fang Ji”) geführt. Bei einem großen Teil der Betroffenen wurden später auch Karzinome der oberen Harnwege festgestellt. Vergleichbare Fälle wurden in Frankreich, Großbritannien, Spanien und weiteren Ländern dokumentiert, teils ausgelöst durch als “Mu Tong” deklarierte Präparate. Die US-amerikanische FDA führt bis heute eine aktualisierte Detentionsliste (Import Alert 54-10) botanischer Materialien mit bekanntem oder vermutetem Aristolochiasäure-Gehalt – darin explizit aufgeführt: Aristolochia manschuriensis, unter anderem unter den Handelsnamen “Guang mu tong” und “Mu tong ma dou ling”. Bereits im Jahr 2000 hatte die FDA zusätzlich mehrere weitere Gattungen als Gattungen mit Verwechslungspotenzial benannt, darunter ausdrücklich auch Akebia.

Das Risiko liegt damit nicht in der botanisch korrekt verstandenen Akebia trifoliata selbst, sondern in der Sourcing- und Lieferkettenqualität – ein Risiko, das sich äußerlich kaum erkennen lässt und nur durch spezifische Laboranalytik (HPLC/LC-MS auf Aristolochiasäure I/II, im Idealfall ergänzt durch botanische/genetische Authentifizierung) ausgeschlossen werden kann. Symptomatisch äußert sich eine beginnende Aristolochiasäure-Nephropathie unter anderem durch Nierenfunktionsstörungen – Hämaturie ist als Frühzeichen plausibel.


Was ein “Zertifikat” wirklich aussagt

Der entscheidende Satz aus der Herstellerantwort sei hier noch einmal hervorgehoben, weil er den Kern des gesamten Falls trifft:

Die Prüfberichte basieren ausschließlich auf Verunreinigungen und dienen nicht der Überprüfung der in einer Rezeptur enthaltenen Kräuter und Pflanzen.

Das vorgelegte Prüfprogramm – Schwermetalle, Mykotoxine, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Mikrobiologie – ist ein reines Kontaminations-Screening. Es beantwortet die Frage “ist das Produkt frei von externen Schadstoffen?” – nicht die Frage “ist die botanische Zusammensetzung korrekt und sicher?”. Aristolochiasäure stand nie auf der Prüfliste, weder für die aktuelle noch für die überhaupt einzige vorgelegte, deutlich ältere Charge. Ein “geprüftes Produkt” ist damit nicht gleichbedeutend mit einem auf botanische Identität und Reinheit geprüften Produkt.


Die pauschale Unbedenklichkeitsaussage im Realitätscheck

Herstellerseitig wird das Präparat beworben als geeignet für “Hunde, Katzen, Meerschweinchen und übrige kleine Haustiere jeden Alters, einschließlich Welpen, Kätzchen, trächtige und säugende Haustiere”, langfristig anwendbar, ohne bekannte Nebenwirkungen, auch in Kombination mit tierärztlichen Medikamenten. Diese Aussage hält einer fachlichen Prüfung aus mehreren Gründen nicht stand:

·             Fehlendes Pharmakovigilanz-System: Für Ergänzungsfuttermittel existiert keine systematische Erfassung von Verdachtsfällen. “Keine Nebenwirkungen bekannt” bedeutet in der Praxis meist: Niemand hat systematisch danach gesucht.

·             Speziesspezifische Empfindlichkeit: Katzen verfügen über eine eingeschränkte hepatische Glucuronidierungskapazität und reagieren auf zahlreiche pflanzliche Inhaltsstoffe empfindlicher als andere Spezies. Eine pauschale Unbedenklichkeit “für alle Kleintiere gleichermaßen” berücksichtigt das nicht.

·             Trächtigkeit: Corydalis yanhusuo gilt in der TCM-eigenen Tradition als blutbewegendes Mittel – eine Kategorie von Kräutern, die klassisch in der Schwangerschaft als kontraindiziert gilt. Die pauschale Unbedenklichkeitsaussage für trächtige Tiere steht damit potenziell im Widerspruch zur eigenen Herkunftstradition der Rezeptur.

·             Komedikation: Zur gleichzeitigen Gabe mit tierärztlichen Medikamenten liegen keine belastbaren Interaktionsdaten vor. Sowohl NSAID (Meloxicam) als auch Fluorchinolon-Antibiotika (Orniflox) können die Nieren belasten – eine Kombination mit mehreren diuretisch wirkenden TCM-Kräutern bei einem bereits nierenvorbelasteten Tier verdient erhöhte Aufmerksamkeit, wie der hier beschriebene Fall zeigt.


Was das für unsere Praxis bedeutet

Dieser Fall zeigt exemplarisch ein strukturelles Problem: Ergänzungsfuttermittel unterliegen keiner Zulassungspflicht wie Arzneimittel, es gibt kein verpflichtendes Nebenwirkungs-Meldesystem, und “geprüft” kann im Kleingedruckten etwas ganz anderes bedeuten, als es beim ersten Lesen klingt.

Konkrete Handlungsempfehlungen:

1.          Bei TCM-Kombipräparaten gezielt prüfen, ob Akebia, Mu Tong, Fang Ji oder vergleichbar verwechslungsanfällige Bezeichnungen enthalten sind.

2.          Beim Hersteller aktiv nach einem chargenspezifischen Analysenzertifikat mit vollständigen Laborangaben (Institut, Akkreditierung, Datum, Probennummer) und explizit nach einem Aristolochiasäure-Nachweis fragen – eine allgemeine Textbestätigung ohne Dokument nicht akzeptieren.

3.          Pauschale Unbedenklichkeitsaussagen (“für alle Spezies, alle Altersgruppen, ohne Einschränkung”) grundsätzlich kritisch hinterfragen, insbesondere bei Katzen und trächtigen/säugenden Tieren.

4.          Dosierungsempfehlungen grundsätzlich kritisch prüfen: Sind sie durch Dosis-Wirkungs-Daten belegt, oder beruhen sie allein auf der Aussage “individuell unterschiedlich”? Eine Erhöhung ohne belastbare Grundlage sollte nicht unreflektiert übernommen werden.

5.          Bei ungeklärten oder stagnierenden Verläufen unter laufender schulmedizinischer Behandlung aktiv auch die eigenen eingesetzten Präparate in die Differentialdiagnose einbeziehen.

6.          KI-gestützte Recherchewerkzeuge können helfen, Zusammenhänge und Hintergrundwissen schneller zugänglich zu machen – sie ersetzen jedoch nicht die Verifikation an der Originalquelle und die fachliche Letztentscheidung.


Der Ausgang

Nachdem die Zusammensetzung des Präparats gemeinsam aufgearbeitet und die Verwechslungsproblematik rund um Akebia trifoliata/Mu Tong deutlich geworden war, wurde es noch am selben Nachmittag abgesetzt. Etwa 18 Stunden später zeigte eine erneute Urinprobe keinerlei Blutnachweis mehr. Auch eine Kontrolle fünf bis sieben Tage später bestätigte das: Der Urin blieb durchgehend unauffällig.

Ein solch rascher Rückgang nach Absetzen eines vermuteten Auslösers wird in der Pharmakovigilanz als “Dechallenge” bezeichnet und gilt – neben dem zeitlichen Zusammenhang beim ersten Auftreten der Symptomatik – als eines der aussagekräftigsten Indizien für einen kausalen Zusammenhang, auch wenn es keinen Beweis im strengen wissenschaftlichen Sinn liefert. Bemerkenswert ist der Kontrast: Unter vollständiger, mittlerweile zweiwöchiger Antibiotikagabe waren die Erythrozytenwerte konstant erhöht geblieben – normalisiert haben sie sich erst nach dem Absetzen des Präparats.

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels ist die Patientin wohlauf, die Urinkontrollen bleiben unauffällig.


Fazit

“Zertifiziert”, “geprüft” und “gemäß internationalen Standards hergestellt” sind keine geschützten, inhaltlich definierten Begriffe – sie können ein umfassendes Sicherheitsprofil bedeuten oder auch nur ein Schwermetall-Screening ohne jede Aussage zur botanischen Identität und Reinheit der Kräuterkomponenten. Der Unterschied ist ohne kritische Nachfrage nicht erkennbar. Ausgangspunkt für diese Recherche war am Ende kein abstrakter Verdacht, sondern eine ganz konkrete Beobachtung am Patienten: Werte, die sich unter einer eigentlich wirksamen Therapie einfach nicht normalisierten. Genau dieses Hinschauen, dieses Nicht-Zufriedengeben mit “wird schon irgendwann besser”, ist es, was am Ende den entscheidenden Unterschied gemacht hat.

Als Tierheilpraktiker:innen tragen wir die Verantwortung, diesen Unterschied zu erkennen – nicht aus grundsätzlichem Misstrauen gegenüber Naturheilverfahren, sondern gerade, um ihre Glaubwürdigkeit zu schützen. Ein Präparat, das im Zweifel schadet, schadet auch dem Ansehen der gesamten Methode.


Quellenverzeichnis (Auswahl)

·             Vanherweghem, J.-L. et al.: Rapidly progressive interstitial renal fibrosis in young women: association with slimming regimen including Chinese herbs. The Lancet, 1993. Zusammenfassend dargestellt in: Nortier, J. et al., Aristolochic acid nephropathy: a worldwide problem, Kidney International: https://www.kidney-international.org/article/S0085-2538(15)53279-1/fulltext

·             Nortier, J. et al.: Urothelial Carcinoma Associated with the Use of a Chinese Herb (Aristolochia fangchi). New England Journal of Medicine, 2000: https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJM200006083422301

·             Übersichtsarbeit: Overview of aristolochic acid nephropathy: an update. Kidney Research and Clinical Practice: https://krcp-ksn.org/journal/view.php?viewtype=pubreader&number=6230

·             IARC / WHO: Aristolochia species and aristolochic acids, NCBI Bookshelf (inkl. Fallberichte aus Frankreich, UK, Spanien): https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK326609/

·             U.S. Food and Drug Administration: Import Alert 54-10, Detention Without Physical Examination of Bulk or Finished Dietary Supplements and Other Products that may Contain Aristolochic Acid (Liste verwechslungsgefährdeter Gattungen, u. a. Akebia): https://www.accessdata.fda.gov/cms_ia/importalert_141.html

·             U.S. Food and Drug Administration: Import Alert 54-10, Detention Without Physical Examination of Bulk/Finished Dietary Supplements Products Containing Aristolochic Acid (aktuell gültige Fassung, zuletzt aktualisiert 2020): https://www.accessdata.fda.gov/cms_ia/importalert_141.html — listet u. a. Aristolochia manschuriensis unter den Handelsnamen “Guang mu tong” und “Mu tong ma dou ling” als bekannten Aristolochiasäure-Träger unter dem Mu-Tong-Namen.

·             SupplySide Supplement Journal (vormals Natural Products Insider): Aristolochic Acid Poses Botanical Contamination Concern, 5. Juni 2000 – zeitgenössischer Bericht über die ursprüngliche FDA-Warnung, die Akebia explizit als eine der damals identifizierten Risikogattungen nennt: https://www.supplysidesj.com/supplement-regulations/aristolochic-acid-poses-botanical-contamination-concern (Hinweis: der im Artikeltext selbst zitierte, sehr alte FDA-Link ist tot; der Artikeltext ist aber weiterhin abrufbar)

·             EU Feed Materials Register (Selbstmelde-Datenbank, keine behördliche Inhaltsprüfung): https://www.feedmaterialsregister.eu/

·             Wayback-Machine-Snapshot der Herstellerwebsite, Stand 19.12.2025 (Link auf Anfrage bei der Autorin, siehe redaktionelle Anmerkung)

·             Analysenzertifikat des Herstellers kann auf Anfrage bei der Autorin zur Verfügung gestellt werden

 

Redaktionelle Anmerkung: Aus rechtlichen Gründen wurden Herstellername, Produktname sowie identifizierende Detailangaben (Laborname, Chargen-/Berichtsnummern, Webadressen) in diesem Beitrag geschwärzt. Kolleginnen und Kollegen, die an den vollständigen Angaben interessiert sind, können sich direkt an die Autorin wenden.

 

Antje Gampe – Deine Tierheilpraktikerin, e-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein., www.tierheilpraxis-gampe.de, Telefon: +49 151 29510475

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Jahrestagung "Zukunft Tiergesundheit e.V." und "Tiergesundheit 5.0 GmbH"

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Der folgende Blog-Beitrag wurde erstellt und zur Verfügung gestellt von Erika Kalbfleisch, Am Kaiserschlag 80, 64295 Darmstadt.

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Jahrestagung 2025 in Eisenach 01. & 02. November 2025

Thema: Gesundheit beginnt im Kopf

Wenn auch spät – so möchte ich Euch von der sehr gelungenen Jahrestagung 2025 des Vereins Zukunft Tiergesundheit e.V. und der Gesellschaft Tiergesundheit 5.0 GmbH berichten.


Am ersten November-Wochenende 2025 trafen sich MitgliederInnen und interessierte TierbesitzerInnen zur Jahrestagung des Vereins Zukunft Tiergesundheit im Penta Hotel in Eisennach.

Am Freitagabend gab es nach der Mitgliederversammlung bereits einen sehr interessanten Vortrag zur Dynamischen Agroforstwirtschaft – Die Kunst, Leben lebendiger zu machen mit Joachim Milz (Ecotop). Herr Milz begann 1996 mit der Umstellung seiner Farm im bolivianischen Tiefland auf Sukzessionsagroforstwirtschaft (= naturnahes Landbausystem, das natürliche Waldentwicklungsprozesse nutzt, um Nahrungsmittel, Holz und Biomasse zu produzieren). Aus diesen Erkenntnissen heraus wurde Ecotop gegründet und ist inzwischen weltweit tätig.

Im Anschluss daran bot das gemeinsame Abendessen und ein Get Together die Möglichkeit, sich näher kennen zu lernen.

Wer den Verein Zukunft Tiergesundheit noch nicht kennt, kann sich über die Website https://zukunft-tiergesundheit.de/ weiter informieren. Der Veranstalter Tiergesundheit 5.0 bietet über seine Website https://www.tiergesundheit5punkt0.de/ hervorragende Weiterbildungsmöglichkeiten an, nicht nur für medizinische Fachkräfte, sondern auch für interessierte TierbesitzerInnen. Für mich ist die Mitgliedschaft in diesem Verein eine Herzensangelegenheit. Es trifft genau das, was ich mir unter einer Zusammenarbeit aller tierheilkundlichen Berufe immer vorgestellt habe!

Der erste Eindruck an diesem Freitagnachmittag hat mich nachhaltig beeindruckt. Die Gemeinschaft wird herzlich und authentisch gelebt – man begegnet sich auf Augenhöhe mit Wertschätzung und Respekt.

Der Verein wurde übrigens im April 2023 gegründet und hatte im November 2025 bereits 120 Mitglieder aus allen Bereichen, die sich mit Tiergesundheit beschäftigen. So trafen sich an diesem Wochenende Tierärzte, Tierheilpraktiker, Physiotherapeuten, Osteopathen und TCM-Therapeuten, usw. zu einer für mich sehr bewegenden Zusammenkunft, den es ging hier darum, zu begreifen, dass das Tier Teil eines lebendigen Systems ist, die über komplexe Beziehungen von Körper und Seele, Umwelt und Beziehungen untrennbar miteinander vernetzt sind.

Die Sichtweisen und Behandlungsmöglichkeiten der verschiedenen Therapeuten ergaben eine wunderbare Mischung ganzheitlicher medizinischer Therapieformen.


Samstag, 01.11.2025

Samstag und Sonntag begann die Tagung mit einer morgendlichen Einstimmung durch Elvira Freifrau von Schenck, Wildtierärztin, die uns auf eine meditative Reise in den Herzensgarten mitnahm.

So energetisch gestärkt folgten die weiteren Vorträge.

Alles Kopfsache wurde von Gisela Bolbecher, Tierärztin, die über ihre energetische Arbeit mit der Body Code Methode berichteten, einer Heilmethode, die die grenzenlose Kraft des Unterbewusstseins nutzt, um körperliche und seelische Imbalancen aufzuspüren und zu behandeln.

Andreas Striezel, Tierarzt, als „Gesundheitsberater“ betrachtete landwirtschaftliche Betriebe ein untrennbares System aus Boden, Pflanze, Tier und Mensch. Er plädiert für Ursachenlösung statt Symptombekämpfung. Er will Landwirte aus dem „Feuerwehrmodus“ herausholen, damit sie wieder agieren können, statt nur auf Probleme zu reagieren.

Zahnwurzelherde sind oft mehr als nur ein lokales Leiden – sie sind systemische Störfelder. Uwe Petermann zeigte in seinem Vortrag, wie Zahnwurzelherde die körpereigene Regulation blockieren und so den Weg für chronische Krankheiten ebnen.
Mit dem Einsatz moderner Lasertechnologie und der RAC-Diagnostik kann er diese Zusammenhänge (z. B. zwischen Oberkieferzähnen und ECS oder RAO beim Pferd) aufdecken und sanft therapieren. 

Weiter ging es mit Das Kiefergelenk: Sinnesorgan nicht nur für den Kauapparat mit Markus Steiner, Tierarzt, zeigte auf, dass das Kiefergelenk des Pferdes ein zentrales Sinnesorgan mit direktem Einfluss auf den gesamten Bewegungsapparat ist. Spannungen im Kiefer – oft in Verbindung mit dem Zungenbein – können sich über Faszien und Muskelketten bis zur Hüfte übertragen und umgekehrt. Das Lösen dieser Blockaden verbessert somit die gesamte Mobilität des Pferdes. Er stellte beeindruckende Beispiele aus seiner Praxis vor.

Mit Behandlung Hand in Hand – Fallbericht eines orthopädisch-neurologischen Patienten vorgestellt von Lisa Louis, Tierosteopathin und Sarah Schleißheimer, Tierärztin, ging es in den Nachmittag.
Diese beiden stellten den Verlauf einer Behandlung eines gemeinsamen Patienten vor. Nicht die Methode, sondern die innere Haltung der Besitzerin – geprägt von Angst, Vertrauen und Verantwortung – war entscheidend zur Heilung ihrer Hündin Bella. Dieses Zusammenspiel verblüffte selbst Tiermediziner, da es eindrucksvoll zeigte, wie stark die mentale und energetische Ebene des Menschen den Heilungsprozess des Tieres beeinflussen kann. Ein sehr berührendes Beispiel das zeigte, welche Heilungsmöglichkeiten sich entwickeln können, wenn sich Vertrauen in die Heilung aufbaut.

Darauf folgt schon der nächste  sehr spannender Vortrag von Carla Reiling über Iridologie – was die Augen über den Darm verraten.
Belastungen des Magen-Darm-Trakts spiegeln sich direkt im Auge wider. Als Schlüsselindikator dient das „Darmarteriezeichen“ – je sichtbarer es hervortritt, desto kritischer ist der Zustand des Pferdes. Sandansammlungen oder Kolikrisiken können darüber frühzeitig erkannt werden.

Sylvia von Rosenberg, Almapharm, klärte in ihrem Beitrag Wenn das Maul brennt – Mikronährstoffe und Immunaktivität über zellbiologische Hintergründe von Entzündungen der Maulschleimhaut auf. Hier lag der besondere Fokus auf Feline Odontoklastische Resorptive Läsionen (FORL) bei Katzen. Erläutert wurden auch Mastzellaktivität, Zytokine und Osteoklastenbildung. Sie zeigte in ihrem Vortrag auch therapeutische Wege zur Behandlung.

Im Anschluss wurde ein neues Format getestet, die sogenannte „Fishbowl“. Hier wurde das Thema Zahngesundheit bei Katzen als Thema gesetzt und Fragende konnten als Teil der Diskussion mitwirken.

Den Vortragsabschluss des ersten Tages bildete unsere Kollegin Susan Bär, Tierheilpraktikerin, mit ihrem Vortrag Säure-Basen-Gesundheitskonzept für Körper & Geist.
Sie demonstrierte am Beispiel von basischem Wasser, wie der Säure-Basen-Haushalt die Zellenergie steuert und sich sogar über 1,5 Jahre rückwirkend diagnostizieren lässt. Ihre natürlichen Produkte bieten zudem hocheffektive Lösungen für die moderne Wundversorgung. Im Selbstversuch durften wir basisch aufgeladenes Wasser testen.


Sonntag, 02.11.2025

Wir begannen den Sonntagvormittag mit Gesundheit beginnt im Kopf – Praxisfälle
Verschiedene TherapeutenInnen stellten aus ihrer Praxis eine Reihe von Fällen vor, die eindrucksvoll aufzeigten, wie komplex Heilung verlaufen kann, welche Schwierigkeiten auftreten können und welche Behandlungserfolge möglich sind.

Sehr deutlich wurde, dass Heilung nicht immer gradlinig verläuft und man auch über Umwege, eventuelle Rückschläge oder Schwierigkeiten trotzdem zu einem Erfolg kommen kann.

Thomas Steinmetz, Tierheilpraktiker, entführte uns mit seinem Vortrag Netz ohne Weber – Mycelium, Nervensystem und die neuroregulative Kraft der Vitalpilze in die Welt der Pilze und ihrer phänomenalen Heilkräfte.
Er beleuchtete die Neuroregulation durch Vitalpilze und wie deren Wirkstoffe das Nervensystem gezielt unterstützen können. Die zentrale Herausforderung liegt dabei in der Überwindung der Blut-Hirn-Schranke, um direkt in der Zelle Regenerationsprozesse zu aktivieren und gleichzeitig entzündliche, heilungshemmende Einflüsse zu stoppen.

In einem gemeinschaftlichen Vortrag zum Thema Vestibularsyndrom –„Kirmes im Kopf und nichts Genaues weiß man nicht“ von Gisela Bolbecher, Brigitta Smit-Fornahl und Markus Steiner

Das Vestibularsyndrom bleibt oft eine vage Verlegenheitsdiagnose. Brigitta Smit-Fornahl zeigte jedoch eindrucksvoll, wie man die diagnostische Sackgasse verlässt: Ein vollständig gelähmter Hund war nach teurer Klinik-Odyssee ohne Befund.

Erst das gezielte Gespräch deckte die Ursache auf: Eine vorangegangene Mehrfachimpfung (6-fach) kombiniert mit Antiparasitika (Bravecto). Statt Apparatemedizin setzte sie auf Entgiftung und energetische Regulation. Das Ergebnis: Der Hund erholte sich in kürzester Zeit vollständig. Ein klarer Beweis für den Wert einer ganzheitlichen Ursachenforschung.

Noch einmal lies uns Sylvia von Rosenberg, Almapharm, mit einem interessanten Vortrag zu Mikronährstoffe bei kognitiver Dysfunktion, Demenz und Epilepsie an wertvollen Informationen teilhaben. Spezifische Mikronährstoffe können die Regeneration der Nerven fördern und mit orthomolekularer Medizin lassen sich bei Demenz, kognitiven Störungen und Epilepsie Zellmembranen stabilisieren, die Neurotransmitter ins Gleichgewicht bringen und den antioxidativen Schutz stärken.

Last but noch least kam Christian Torp, Tierarzt, mit seinem spannenden Abschlussvortrag Der Therapeut verdient an Gesundheit mehr als an Krankheit zu Wort. Er stellte sein Programm Akupunkturorientierte Energiearbeit – AOE vor und seine inzwischen siebenjährige Erfahrungen und den damit betreuten Tieren und BesitzerInnen. Mit über 160 Pferden hat er ein Geschäftsmodell vorgestellt, bei dem es darum geht, die Belastungen, die sich zu Krankheiten entwickeln können, frühzeitig zu erkennen und auszuschalten. Prävention statt Krankheiten behandeln ist sein Erfolgsmotto.


Insgesamt habe ich hier ein Wochenende mit vielen interessanten und spannenden Vorträgen in einer tollen Atmosphäre erleben dürfen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Das ganz besondere für mich an dieser Tagung war die Gemeinschaft der Tier- Therapeuten und -Therapeutinnen aller Ausrichtungen, die einander mit so viel Herzlichkeit, Respekt und Wertschätzung begegnet sind.

Und alle haben einen wichtigen Herzenswunsch: Einstehen für die Gesundheit und Achtung von Tieren - und Menschen zu begleiten, zu unterstützen auf dem Weg zum Bewusstsein, dass auch Tiere ein Recht auf Gesundheit haben, auf eine Gesundheit, die Körper, Geist und Seele vereinen.

Es war ganz wunderbar und in 2026 bin ich auf jeden Fall wieder dabei!

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Facebook-Marketing in der Tierheilpraxis

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Der folgende Blog-Beitrag wurde erstellt und zur Verfügung gestellt von Britta Schlüter-Pieper.

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Mit KI zum Erfolg: Wie moderne Tierheilpraktiker Facebook und künstliche Intelligenz strategisch für ihre Praxisvermarktung nutzen können

Als Tierheilpraktikerin erlebe ich den Wandel der Marketinglandschaft hautnah. Was früher ausschließlich über Mundpropaganda und lokale Anzeigen funktionierte, hat sich grundlegend verändert. Heute erreichen wir unsere Tierbesitzer dort, wo sie sich täglich aufhalten: In den sozialen Medien. Facebook bleibt dabei die wichtigste Plattform für Tierheilpraktiker. Vorausgesetzt, wir nutzen sie strategisch und setzen moderne Tools wie künstliche Intelligenz gezielt ein.


Warum Facebook für Tierheilpraktiker unverzichtbar bleibt
Facebook bietet uns Tierheilpraktikern einzigartige Möglichkeiten, mit unserer Zielgruppe in Kontakt zu treten und zu bleiben. Die Plattform vereint verschiedene Altersgruppen und ermöglicht es uns, sowohl junge Tierbesitzer als auch erfahrene Halter zu erreichen. Besonders wertvoll sind die lokalen Bezüge: Durch gezielte regionale Werbung können wir potenzielle Kunden in unserem direkten Umkreis ansprechen.

In meiner Praxis hat sich gezeigt, dass Tierbesitzer auf Facebook besonders offen für Gesundheitstipps, Erfahrungsberichte und präventive Maßnahmen sind. Sie suchen nach authentischen Geschichten und vertrauen Experten, die ihr Fachwissen transparent und verständlich teilen. Diese Vertrauensbasis ist für uns Tierheilpraktiker von unschätzbarem Wert.


Meta AI: Der Schlüssel zum effizienten Facebook-Marketing
Hier kommt Meta AI ins Spiel, das integrierte KI-System von Facebook. Viele Kollegen übersehen dieses mächtige Tool, dabei bietet es speziell für unsere Branche enormes Potenzial. Meta AI hilft uns dabei, Inhalte zu erstellen, die perfekt auf unsere Zielgruppe zugeschnitten sind.

Der entscheidende Vorteil: Meta AI ist direkt in die Facebook-Plattform integriert und "versteht" daher optimal, welche Inhalte auf Facebook gut funktionieren. Während andere KI-Tools generische Texte produzieren, erstellt Meta AI Inhalte, die bereits für die Besonderheiten von Facebook optimiert sind. Von der idealen Textlänge bis hin zur emotionalen Ansprache.

Zusätzlich ist zu erwähnen, dass es dem Facebook-Algorithmus möglich sein soll, von anderen KI-Anbietern generierte Texte zu erkennen. Verständlicherweise werden solche Texte durch Reichweitenreduktion „bestraft“, denn natürlich möchte Facebook seine eigene KI, nämlich Meta AI, genutzt wissen.


Praktische Anwendung von Meta AI in der Tierheilpraxis
In meinem Praxisalltag nutze ich Meta AI regelmäßig für verschiedene Marketingaufgaben:

Beitragsideen entwickeln: Statt stundenlang nach Themen zu suchen, frage ich Meta AI nach saisonalen Gesundheitstipps für Tiere oder aktuellen Themen in der Tierheilkunde. Die KI schlägt mir dann konkrete Beitragsideen vor, die ich mit meiner Expertise verfeinere.

Zielgruppengerechte Texte: Meta AI hilft mir dabei, komplexe tierheilkundliche Themen in verständliche, ansprechende Posts zu verwandeln. Die KI kennt die optimale Ansprache für Facebook-Nutzer und schlägt mir passende Formulierungen vor.

Hashtag-Optimierung: Das System empfiehlt mir relevante Hashtags, die speziell in der Tierheilkunde-Community verwendet werden und meine Reichweite erhöhen.

Nebenbei bemerkt: „Reichweite“ ist nicht gleichzusetzen mit „Anzahl der Follower“ o. ä. Die Anzahl der Beitragskonsumenten, die sich nicht in irgendeiner Weise auf der Seite registrieren, ist erfahrungsgemäß deutlich höher!


KI-generierte Bilder: Professionelle Visualisierung ohne Fotoshooting
Ein besonders wertvoller Aspekt der KI-Unterstützung liegt in der Bilderstellung. Als Tierheilpraktiker brauchen wir ständig ansprechende Bilder für unsere Posts, von Kräuterdarstellungen über anatomische Skizzen bis hin zu emotionalen Tierbildern. Hier bieten KI-Bildgeneratoren wie das in der Meta AI integrierte Bildtool fantastische Möglichkeiten.

Eigene Erfahrungen mit KI-Bildern
Besonders beeindruckt hat mich die Qualität der generierten Bilder für Aufklärungs-Posts. Wenn ich beispielsweise über Akupunkturpunkte beim Hund aufklären möchte, erstelle ich mit KI detaillierte, aber verständliche Illustrationen. Diese sind nicht nur kostengünstiger als professionelle Grafiken, sondern auch exakt auf meinen Content zugeschnitten.

Wichtige Prompting-Tipps für Tierheilpraktiker:
Spezifische Beschreibungen verwenden: "Goldener Retriever mit entspanntem Gesichtsausdruck während Akupunktur-Behandlung".
Stil definieren: "Warme, beruhigende Farbtöne im Aquarell-Stil". 
Professionalität betonen: "Seriös, vertrauenerweckend, ohne kitschige Elemente".

Die generierten Bilder verwende ich für verschiedene Post-Kategorien: Behandlungserklärungen, Kräuterkunde, Präventionstipps und emotionale Geschichten. Wichtig ist dabei die Balance zwischen professioneller Darstellung und emotionaler Ansprache.


Die Kunst des Promptings: Warum Details entscheiden
Ein Aspekt, den ich als Tierheilpraktikerin besonders betonen möchte, ist die Bedeutung ausführlicher und präziser Prompts bei der Arbeit mit KI-Tools. Viele Kollegen machen den Fehler, zu oberflächliche Anweisungen zu geben und sind dann enttäuscht von den Ergebnissen. Dabei liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Detailgenauigkeit unserer Eingaben.

Vom groben Konzept zum präzisen Ergebnis
In meiner täglichen Arbeit mit Meta AI und Bildgeneratoren habe ich gelernt, dass ein "schlechtes" KI-Ergebnis meist auf einen unvollständigen Prompt zurückzuführen ist. Während ein Prompt wie "Hund beim Tierarzt" generisch aussehende, oft unbrauchbare Bilder erzeugt, führt eine detaillierte Beschreibung zu professionellen, zielgerichteten Ergebnissen.

Beispiel aus meiner Praxis:
Oberflächlicher Prompt: "Katze bei Behandlung".
Ausführlicher Prompt: "Entspannte, mittelgraue Hauskatze liegt ruhig auf warmer Behandlungsdecke in heller, freundlicher Praxis. Tierheilpraktikerin führt sanft Akupunktur durch. Warmes, natürliches Licht von links, vertrauensvolle Atmosphäre. Professionell, beruhigend, realistischer Stil ohne Kitsch. Fokus auf die ruhigen Gesichtsausdrücke von Tier und Behandlerin gerichtet."
Der Unterschied ist bemerkenswert: Während der erste Prompt oft stereotype oder sogar unpassende Bilder erzeugt, liefert der zweite Prompt Bilder, die ich tatsächlich für meine professionelle Facebook-Präsenz verwenden kann.

Struktur für erfolgreiche Prompts
Durch Erfahrung habe ich eine Struktur entwickelt, die besonders für tierheilkundliche Inhalte funktioniert:

  1. Hauptsubjekt definieren: Welche Tierart, Rasse, Größe, Farbe?
  2. Kontext beschreiben: Wo findet die Szene statt? Praxis, Zuhause, Natur?
  3. Aktion/Zustand: Was passiert genau? Behandlung, Beratung, Entspannung?
  4. Atmosphäre festlegen: Welche Stimmung soll vermittelt werden?
  5. Technische Details: Stil, Licht, Perspektive, Bildqualität.
  6. Ausschlüsse benennen: Was definitiv NICHT im Bild sein soll!

Fachspezifische Prompt-Techniken für Tierheilpraktiker
Besonders bei der Darstellung von Behandlungsmethoden ist Präzision entscheidend. Ein unscharfer Prompt kann Bilder erzeugen, die fachlich inkorrekt oder sogar irreführend sind.

Hier einige bewährte Formulierungen aus meiner Praxis:

Für Akupunktur-Darstellungen:
"Zeige die korrekten Akupunkturpunkte am [Tierart] mit dünnen, sterilen Nadeln. Anatomisch präzise, medizinisch korrekt, keine übertriebene Nadelanzahl. Tier entspannt und stressfrei."

Für Kräuterheilkunde:
"Authentische Heilkräuter [spezifische Namen] in natürlicher Umgebung, botanisch korrekt dargestellt. Hochauflösend, detailreich, wissenschaftlich präzise ohne romantisierende Verklärung."

Für Behandlungssituationen:
"Professionelle Tierheilpraxis-Atmosphäre mit [spezifische Behandlung]. Tier zeigt Vertrauen und Entspannung, Behandler kompetent und einfühlsam. Authentische Praxisausstattung, sterile Standards sichtbar."

Prompting für Text-Content
Auch bei der Content-Erstellung mit Meta AI gilt: Je präziser der Prompt, desto besser das Ergebnis. Statt "Schreibe einen Post über Hundeerziehung" verwende ich detaillierte Anweisungen:
"Erstelle einen Facebook-Post für Tierheilpraktiker-Zielgruppe über natürliche Unterstützung bei Verhaltensproblemen von Hunden. Zielgruppe: Besorgte Hundebesitzer mit Problemen wie Ängstlichkeit oder Hyperaktivität. Ton: Kompetent aber verständlich, einfühlsam, lösungsorientiert. Länge: 150-200 Wörter. Integriere einen Verweis auf Bachblüten-Therapie. Schließe mit einer Frage ab, die Kommentare anregt. Vermeide Heilungsversprechen."

Häufige Prompt-Fehler vermeiden
Aus Workshops mit KI-erfahrenen Marketingstrategen kenne ich die typischen Fehler beim Prompting:

  • Zu vage Beschreibungen: "Süßes Tier" statt konkreter Angaben zu Art, Alter, Situation.
  • Widersprüchliche Anweisungen: "Entspannt aber aufmerksam" ohne weitere Spezifikation.
  • Fehlende Kontextangaben: Behandlungsbilder ohne Praxisumgebung.
  • Überkomplexe Szenen: Zu viele Elemente in einem Bild verwässern die Botschaft.
  • Vernachlässigung der Zielgruppe: Bilder, die fachlich korrekt, aber für Laien unverständlich sind.

Für Kollegen, die gerade mit KI-Tools beginnen, ist meine wichtigste Empfehlung: Investiert Zeit in das Erlernen präziser Prompt-Techniken. Es ist die Grundlage für erfolgreiches KI-gestütztes Marketing in der Tierheilpraxis. Hilfreich können hierbei zum Anfang auch kostenlose „Erklär-Videos“ auf den unterschiedlichen Videoplattformen sein.


Integration der Verbandszeitschrift: Vertrauen durch Vernetzung
Ein strategisch wichtiger Aspekt, den viele Kollegen vernachlässigen, ist die Verlinkung unserer Verbandszeitschrift. Diese Verlinkung bietet mehrere Vorteile, aber auch einen Nachteil:

Vorteile:

  • Glaubwürdigkeit stärken: Durch regelmäßige Verweise auf Fachartikel in der Verbandszeitschrift zeigen wir unsere kontinuierliche Weiterbildung und Vernetzung in der Fachgemeinschaft.
  • Content-Ergänzung: Anstatt alle Inhalte selbst zu erstellen, können wir interessante Artikel aus der Zeitschrift teilen und mit eigenen Erfahrungen ergänzen.
  • Professionalität unterstreichen: Die Verbindung zu offiziellen Publikationen hebt uns von unseriösen Anbietern ab und stärkt das Vertrauen der Tierbesitzer.

 

Nachteil:

  • Ein externer Link auf unsere Verbandsseite widerspricht dem Interesse von Facebook, die User für eine möglichst lange Zeit auf der eigenen Seite zu behalten. Es könnte somit also auch zu einer Reichweite-Einschränkung kommen.
  • Meine Idee zur „Problemlösung“, nämlich den externen Link nur über den Messenger zu teilen und in einem vorherigen Facebook-Post auf diese Möglichkeit hinzuweisen, bedarf allerdings noch der Testung.

Strategische Content-Planung mit KI-Unterstützung
Die Kombination aus Meta AI und durchdachter Content-Strategie hat meine Facebook-Präsenz deutlich verbessert. Statt planlos zu posten, arbeite ich jetzt mit einem strukturierten Ansatz:

Beispielhafte Wochenplanung mit KI:

  • Montag: Motivationspost mit KI-generiertem Inspirationsbild
  • Mittwoch: Fachlicher Tipp mit Bezug zur Verbandszeitschrift
  • Freitag: Fallbeispiel mit authentischem oder KI-erstelltem Begleitbild
  • Sonntag: Community-Post mit Fragen an die Follower

Meta AI hilft mir dabei, diese Inhalte zu variieren und saisonal anzupassen.


Wichtiges und Grundsätzliches bei der Verwendung von KI:

  • Immer die fachliche Richtigkeit durch eigene Expertise überprüfen.
  • Keine Heilversprechen oder übertriebene Erfolgsdarstellungen tätigen.
  • Kennzeichnung bei Verwendung von KI-generierten Bildern.
  • Regelmäßige Aktualisierung der Informationen.

Zukunftsperspektiven: KI als Praxispartner
Die Entwicklung der KI-Tools wird weitergehen, und wir Tierheilpraktiker sollten diese Entwicklung aktiv mitgestalten. Meta AI wird kontinuierlich verbessert und bietet uns immer bessere Möglichkeiten für zielgerichtetes Marketing.

Meine Vision: In wenigen Jahren werden KI-Assistenten uns dabei helfen, individuelle Behandlungspläne zu visualisieren, komplexe Zusammenhänge in einfachen Grafiken zu erklären und mit unseren Kunden über innovative Kommunikationskanäle zu interagieren.


Fazit: Der Weg zum erfolgreichen Facebook-Marketing
Facebook-Marketing für Tierheilpraktiker bedeutet heute mehr als nur gelegentliche Posts. Es erfordert eine durchdachte Strategie, die moderne KI-Tools intelligent nutzt und gleichzeitig unsere fachliche Expertise in den Vordergrund stellt.

Die Kombination aus Meta AI für Content-Erstellung, KI-generierten Bildern für professionelle Visualisierung und der strategischen Integration unserer Verbandszeitschrift schafft eine starke, vertrauensvolle Online-Präsenz. Diese Präsenz führt nicht nur zu mehr Sichtbarkeit, sondern zu qualifizierten Anfragen und langfristigen Kundenbeziehungen.

Als Tierheilpraktiker in der digitalen Ära haben wir die einzigartige Chance, traditionelle Heilmethoden mit modernster Technologie zu verbinden. Facebook und KI sind dabei nicht Selbstzweck, sondern Werkzeuge, um mehr Tieren zu helfen und unsere wertvolle Arbeit einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

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Der cystinurische Hund

Ursachen, Diagnostik und Therapiemöglichkeiten (Zusammenfassung der Facharbeit)

Hinweis

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Der folgende Blog-Beitrag wurde erstellt und zur Verfügung gestellt von Britta Schlüter-Pieper.

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Urolithiasis beim Hund
Bei der Urolithiasis bilden sich kristalline Ablagerungen in unterschiedlicher Form, Größe und Zusammensetzung in den ableitenden Harnwegen.

Es wird unterschieden zwischen dem Ort des Vorkommens sowie der chemischen Zusammensetzung der Konkremente und auch deren Form und Größe.

Ursächlich für Harnsteine können genetische Stoffwechselanomalien (z.T. rassespezifisch) oder erworbene Stoffwechselstörungen (z.B. durch Fütterungsfehler) sein. Auch entzündliche Prozesse sowie erhöhte Harnkonzentrationen durch z.B. Obstruktion (vor allem durch anatomische Besonderheiten beim Rüden) können die Auskristallisation bestimmter Stoffe und somit die Steinbildung begünstigen.


Verschiedene Arten von Blasensteinen 
Die folgenden vier Blasenstein-Varianten kommen bei Hunden am häufigsten vor:

  1. Struvit-Steine (Magnesium-Ammonium-Phosphat-Hexahydrat; MgNH4PO4-6H2O), auch als Tripelphosphatsteine bezeichnet, sind die weit überwiegenden Steine bei dieser Tierart (ca. 50-60% der Fälle). Struvit-Steine werden als Infektsteine bezeichnet, da sie sich häufig erstmals im Rahmen einer Zystitis im begünstigenden alkalischen Milieu bilden, das seinerseits durch Urease-produzierende Bakterien entsteht.
  2. Kalziumoxalat-Steine: Hier werden Kalziumoxalat-Monohydrat-Steine (CaC2O4-H2O, auch als Whewelllit bezeichnet) und Kalziumoxalat-Dihydrat-Steine (CaC2O4-2H2O) unterschieden, wobei die Gruppe der Kalziumoxalat-Steine 25-30% der diagnostizierten Blasensteine ausmachen. Kalziumoxalat-Steine können sich beispielsweise bei Ernährungsfehlern (erhöhte Zufuhr von Calcium, Natrium, Vitamin C und D, Vitamin-B6-Mangel) bilden, oft begünstigt durch stark konzentrierten Harn.
  3. Harnsäure-Steine (Uricit; C5H4N4O3) und Urat-Steine (Salze der Harnsäure; C5H3N4O3 Na/K/NH4) finden sich bei immerhin ca. 5-7% der Zystolithiasis-Patienten, wobei Urat-Steine öfter vertreten sind. Bei Hunden wird Harnsäure normalerweise durch das Enzym Uricase in gut lösliches Allantoin umgewandelt. Dieser Vorgang kann jedoch durch eine Störung im Leberstoffwechsel gestört sein (erblicher Defekt besonders bei Dalmatinern), sodass sich Harnsäure bzw. Urate in Form von Steinen in der Harnblase absetzen.
  4. Cystin-Steine (L-Cystin; C6H12N2O4S2) kommen lediglich bei etwa 1-2% der an Blasensteinen leidenden Hunde vor. Cystinsteine können nur bei Hunden, die eine Cystinurie aufweisen, entstehen. Zu letzterer kommt es primär durch einen Gendefekt, der sich sekundär auf den Aminosäurestoffwechsel auswirkt: In den intestinalen Mukosazellen und den Zellen der Nierentubuli sind die Transportsysteme für die Aminosäuren Cystin, Ornithin, Lysin und Arginin gestört, sodass sie nach der Filtration in den Nierenkanälchen nicht wieder in den Blutkreislauf aufgenommen werden können, sondern über den Urin ausgeschieden werden. Während die Aminosäuren Ornithin, Lysin und Arginin im Milieu des im Normalfall sauren Harns gut löslich sind, ist Cystin hingegen schwer löslich und verbleibt folglich im Übermaß im Urin. Beim Vorhandensein weiterer ungünstiger Faktoren (z.B. Infektionen, gestörte Urodynamik etc.) bilden sich in der Folge charakteristische sechseckige Cystinkristalle, aus welchen im Weiteren Cystinsteine entstehen.

Ätiologie Cystinurie/Cystinsteine
Bei der Cystinurie handelt es sich um eine angeborene Stoffwechselerkrankung. Ursache ist ein Gendefekt. 
Drei verschiedene Typen der Cystinurie werden aufgrund des jeweiligen Erbgangs beim Hund unterschieden:

Typ I: 

  • Wird autosomal rezessiv vererbt, verursacht durch Mutationen im SLC3A1 Gen.
  • Schwerer Krankheitsverlauf, oft schon ab Welpenalter oder bei jungen Hunden, sowohl bei Rüden als auch bei Hündinnen.
  • Häufig betroffene Rassen: Labrador Retriever, Neufundländer.

Typ II-A:

  • Wird autosomal dominant vererbt, verursacht durch Mutationen im SLC3A1 Gen.
  • Schwerer Krankheitsverlauf, oft schon ab Welpenalter oder bei jungen Hunden, sowohl bei Rüden als auch bei Hündinnen.
  • Häufig betroffene Rasse: Australian Cattle Dog.

Typ II-B:

  • Wird autosomal dominant vererbt, verursacht durch Mutationen im SLC7A9 Gen.
  • Vorkommen sowohl bei Rüden als auch bei Hündinnen.
  • Häufig betroffene Rasse: Zwergpinscher.

Typ III:

  • Genauer Erbgang noch nicht abschließend erforscht, bisher keine Mutation bekannt, ein modifizierender Androgeneffekt wird vermutet [1], d.h. für die Entwicklung dieser Variante ist wohl das Vorhandensein von männlichen Geschlechtshormonen vonnöten. Hündinnen und kastrierte Rüden dürften also nicht an Typ-III-Cystinurie erkranken.
  • Die Erkrankung hat einen leichteren Verlauf und tritt erst im Erwachsenenalter des Rüden auf.
  • Häufig betroffene Rassen (insgesamt mehr als 60) sind beispielsweise Französische und Englische Bulldogge, Irish Terrier, Dackel, Tibet Spaniel und Kromfohrländer.

Möglich ist, dass ein Hund eine Cystinurie aufweist (gesichert beim Vorhandensein von Cystinkristallen im Urinsediment und einem positiven COLA-Test [2]), aber nie bzw. erst im weit fortgeschrittenen Alter entsprechende Symptome entwickelt. Eine Beeinträchtigung entsteht nämlich nur dann, wenn sich durch begünstigende Faktoren aus der Cystinurie heraus Harngrieß und Cystinsteine bilden. Gelegentlich werden (kleinere) Cystinsteine auch als zufälliger Nebenbefund (beispielsweise auf einem Röntgenbild) entdeckt.

Begünstigende Faktoren für die Bildung von Cystinsteinen bei Cystinurie sind:

  1. a) eine vermehrte Aufnahme von cystinhaltigen Nahrungsmitteln (z.B. Hühnerei, Käse, Fisch) und somit Übersättigung des Harns mit Cystin,
  2. b) ein für die Cystin-Löslichkeit ungünstiger Harn-pH-Wert (pH<7) durch z.B. (chronische) Infektionen im Urogenitalsystem und damit oft einhergehende Harn-pH-Veränderungen,
  3. c) eine gestörte Urodynamik durch z.B. zu lange Miktionsintervalle, reduzierte Wasserzufuhr (besonders bei Fütterung mit Trockenfutter), Urethraobstruktion (differenzialdiagnostisch ist hier z.B. auch an eine benigne Prostatahyperplasie zu denken!).

Symptome bei Cystinurie und Cystinsteinen
Die eigentliche Cystinurie ist symptomlos und kann daher u.U. lebenslang unentdeckt bleiben.

Symptome zeigen sich erst dann, wenn sich aus der Cystinurie heraus Konkremente in Form von Harngrieß und/oder Harnsteinen bilden. Diese harten und scharfkantigen Partikel verletzen die empfindlichen Schleimhäute von Harnblase und Harnröhre, in deren Folge es zur Hämaturie kommt. Bei der sich anschließenden Entzündungsreaktion zeigen sich neben der bereits genannten Hämaturie die klassischen Symptome, die auch auf eine Zystitis hinweisen:

  • Pollakisurie, auch mit plötzlicher Inkontinenz und/oder Unruhe
  • Strangurie, erkennbar z.B. am gekrümmten Rücken und/oder Schmerzlauten beim Urinieren,
  • Urin: Farbe oft rötlich-braun, getrübt, konzentriert, eventuell schaumig, streng riechend,
  • vermehrtes Belecken der Genitalregion,
  • ggf. Schmerzreaktion bei Druck auf den Unterbauch,
  • bei schwerer Begleitinfektion können auch Allgemeinsymptome wie Erhöhung der Körpertemperatur über 39°C, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Appetitminderung etc. beobachtet werden.

Kommt es steinbedingt zu einer teilweisen oder kompletten Harnwegsobstruktion, ist es dem Tier oft nur noch mit größter Kraftanstrengung möglich, auch nur wenige Tropfen Urin abzusetzen. Die Harnblase ist prall gefüllt, das gesamte Abdomen gespannt, es kommt zu kolikartigen Schmerzen. In diesem Zustand besteht Lebensgefahr (u.a. durch Nierenversagen, Blasenruptur), der betroffene Hund ist sofort in einer Tierklinik oder bei einem chirurgisch tätigen niedergelassenen Tierarzt vorzustellen!


Diagnostik 
Besteht anamnestisch der Verdacht auf das Vorliegen einer asymptomatischen Cystinurie, z.B. weil ein Eltern- oder Geschwisterteil des Hundes von dieser Erkrankung betroffen ist, ist die folgende Diagnostik zur Abklärung angezeigt:

Eine Cystinurie gilt als gesichert, wenn 

  1. ein positiver COLA-Test vorliegt und
  2. im Urinsediment Cystinkristalle sichtbar sind. 

Zusätzlich sollte der Urin-pH-Wert bestimmt werden, weil bei einem Urin-pH-Wert >7 Cystin im Urin löslich ist, was zu einem falsch-negativen Ergebnis führen kann.

Da der COLA-Test auch etwa bei Nephropathie, Glomerulonephritis und Nierenamyloidose positiv sein kann, sollte keinesfalls auf die o.g. zusätzliche Diagnostik des Urinsediments verzichtet werden.

Für die Cystinurie-Typen I, II-A und II-B ist außerdem ein Gentest verfügbar. An einem Gentest zur Feststellung der Typ-III-Cystinurie wird noch geforscht (Prof. Dr. Tosso Leeb, Universität Bern, Schweiz, in Kooperation mit Prof. Dr. Urs Giger, University of Pennsylvania, USA; Stand Juni 2021).

Leidet ein Hund wiederholt an Zystitiden und sind diese eventuell sogar noch mehr oder weniger therapieresistent, sollte ebenfalls an die Möglichkeit eines bisher unerkannten Harnsteinleidens gedacht werden. Die Diagnostik der ersten Wahl ist, einen Harnstatus inkl. Sediment anzufordern. Sind neben den klassischen Entzündungszeichen auch Cystinkristalle im Urin vorhanden, können Harngrieß und ggf. Cystinsteine als (Mit-) Ursache für die Beschwerden angenommen werden.

Bei Unsicherheiten ist die Beurteilung eines Veterinärmediziners zwingend erforderlich, auch um mögliche Differenzialdiagnosen abzuklären (Neoplasien der Blase, Urethra oder Prostata, Pyelonephritis, Prostatitis etc.). Außerdem ist in einer tierärztlichen Praxis i.d.R. die Möglichkeit vorhanden, bildgebende Diagnostik (Sonografie, Röntgen) zur Feststellung von Lage, Größe und Anzahl der Steine anzuwenden, was für die sich anschließende Therapieplanung äußerst hilfreich ist.


Therapeutische Ansätze bei Cystinurie und Cystinstein-Erkrankung

Die Therapie bei Cystinurie und Cystinsteinen lässt sich grob in zwei Kategorien unterteilen:

  1. tierärztliche Notfallmaßnahmen, z.B. durch chirurgische Intervention oder Blasenspülung mittels Katheter bei steinbedingter Verlegung der Harnwege sowie Gabe eines geeigneten Antibiotikums bei sekundärer bakterieller Zystitis,
  2. Cystinstein-Prophylaxe z.B. durch diätetische und/oder medikamentöse Maßnahmen zur Reduktion der Cystinaufnahme und besseren Löslichkeit von Cystin im Harn sowie Harnverdünnung; flankierende komplementärmedizinische Therapeutika; bei der androgenabhängigen Typ-III-Cystinurie auch ggf. Kastration.

Die Entscheidung, welches Therapieverfahren angewendet wird und ob es eventuell auch sinnvoll ist, unterschiedliche Therapien miteinander zu kombinieren, ist von folgenden Faktoren abhängig:

Cystinurie ohne Steinbildung:

  • Alter und Geschlecht des Hundes (-> bei Rüden mit Typ-III-Cystinurie: Kastration chirurgisch oder per Hormonchip),
  • allgemeiner Gesundheits- und Ernährungszustand des Patienten,
  • Akzeptanz einer Futterumstellung bei Hund und Besitzer,
  • Zustimmung zu phytotherapeutischer und/oder homöopathischer Unterstützung,
  • allgemeine Compliance des Patientenbesitzers bei kontinuierlicher Notwendigkeit steinprophylaktischer Maßnahmen (z.B. Änderung des Miktionsintervalls, Medikamentengabe und Diätfütterung),
  • finanzielle Möglichkeiten des Patientenbesitzers zur Kostenübernahme.

Zusätzlich bei Cystinurie mit Steinbildung:

  • Größe und Anzahl sowie Lage vorhandener Cystinsteine.

Veterinärmedizinische Möglichkeiten

Zur Cystinstein-Entfernung stehen dem Tierarzt folgende Verfahren zur Verfügung:

Retropulsionsmethode: 
Unter leichter Sedierung oder Kurznarkose wird ein Blasenkatheter in die Harnröhre eingeführt und wenn möglich bis in die Harnblase vorgeschoben. Nicht selten gelingt es vor allem bei Hündinnen aufgrund der anatomischen Besonderheiten (kürzere Urethra und fehlende Harnröhrenverengung aufgrund des nicht vorhandenen Penisknochens), mithilfe des Katheters sich bereits in der Harnröhre befindliche Cystinsteine vorsichtig zurück in die Harnblase zu befördern. Eine gefüllte Blase wird dann zunächst durch Ablassen von Urin entlastet und im Weiteren mit einer sterilen Lösung (meist NaCl) mehrfach gespült, sodass Cystinsteine, die einen kleineren Durchmesser als der Blasenkatheter haben, ausgeschwemmt werden können.

Im Anschluss zeigt ein bildgebendes Verfahren (Sonografie oder Röntgen), ob die Harnblase steinfrei ist oder nicht. Befinden sich noch Cystinsteine in der Harnblase, wird über das weitere Therapieverfahren entschieden: Konservativ (Steinauflösung medikamentös und/oder diätetisch) oder chirurgisch (operative Steinentfernung mittels Zysto- bzw. Urethrotomie). 

Zysto- bzw. Urethrotomie: 
Unter Vollnarkose wird die Harnblase (Zystotomie) bzw. die Harnröhre (Urethrotomie) chirurgisch eröffnet und die vorhandenen Cystinsteine unter Sicht mithilfe von Pinzetten o.ä. entfernt. Sodann werden eine oder mehrere Spülungen der Harnblase und Harnröhre durchgeführt um sicherzustellen, dass keine weitere Obstruktion durch Harnsteine vorhanden ist. Der abschließende mehrschichtige chirurgische Wundverschluss wird meist mit resorbierbarem Nahtmaterial ausgeführt. 

Nach der Anwendung chirurgischer Verfahren zur Cystinsteinentfernung ist eine sowohl zügige, als auch sorgfältige Planung der weiteren konsequenten und lebenslang notwendigen Cystinstein-Prophylaxe wünschenswert.

Medikamentöse Cystinstein-Auflösung und Steinprophylaxe: 
Sowohl die Auflösung von vorhandenen Cystinsteinen als auch die Steinprophylaxe kann durch Arzneimittel mit dem Wirkstoff Tiopronin (N-2-Merkaptopropionylglycin) in einer Standarddosierung von 15 mg bis 25 mg/kg, zweimal täglich oral verabreicht, versucht werden. Die unter den Namen Captimer® und Thiola® vertriebenen Medikamente werden in der Humanmedizin u.a. bei akuten Schwermetallvergiftungen, Strahlenschäden, akuter und chronischer Hepatitis und der vermehrten Ausscheidung von Cystin durch die Niere eingesetzt. Für die letztgenannte Indikation besteht auch eine Zulassung zur Anwendung bei Hunden. Tiopronin verbindet sich mit dem Cystin zu einem im Urin gut löslichen Komplex, sodass das übermäßig in der Harnblase vorhandene Cystin schneller ausgeschwemmt wird und vorhandene Cystinsteine aufgelöst werden können. Als Nebenwirkungen werden gelegentlich Irritationen des Gastrointestinaltrakts und Juckreiz beschrieben.

Ein Arzneimittel mit ähnlichem Wirkprinzip ist das unter dem Handelsnamen Metalcaptase® D-Penicillamin mit einer Standarddosierung von 15 mg/kg zweimal täglich per os. Bei diesem Medikament werden allerdings häufiger schwerere Nebenwirkungen als bei Captimer® und Thiola® beobachtet, weshalb es auch seltener zur Anwendung kommt. 

Da bei der Typ-III-Cystinurie eine Androgenabhängigkeit als sehr wahrscheinlich angenommen wird, hat der Veterinärmediziner bei dieser Variante der Blasensteine auch die Möglichkeit, eine medizinisch notwendige Kastration durch die subkutane Implantation eines Hormonchips (z.B. Suprelorin® mit einer Wirkungsdauer von ca. sechs Monaten und der Empfehlung, nicht länger als ein Jahr per Hormonchip zu kastrieren) oder durch eine chirurgische Kastration (Entfernung beider Hoden, in welchen Androgene hauptsächlich gebildet werden) durchzuführen.


Krankheitsspezifische Ernährung
Es ist festzustellen, dass im Regelfall bei einem gesunden Hund die tägliche perfekte Versorgung mit jedem Nährstoff weder möglich noch notwendig ist. Bei einem nicht-diätpflichtigen Hund ist eine Nährstoffberechnung mit anschließender entsprechender Futterplanerstellung pro Woche sinnvoll.

Bei bestimmten Erkrankungen, wie z.B. der Cystinurie, kann es jedoch wichtig sein, bei einem oder mehreren Nährstoffen möglichst genau auf die täglich zur Verfügung stehende Menge zu achten, um den gewünschten diätetischen Therapieerfolg sicherzustellen.


Ziele der spezifischen Diät zur Cystinstein-Prophylaxe sind

  1. die Zufuhr von Proteinen auf nicht mehr als das notwendige Maß zu limitieren, da Cystin als eine schwefelhaltige Aminosäure ein Baustein der Proteine ist, bei gleichzeitig möglichst optimaler Deckung des Energie-, sonstigen Nähr- und Mineralstoffbedarfs sowie
  2. die Verbesserung der Löslichkeit von Cystin im Harn durch Schaffung eines alkalischen Milieus (pH≥7) und Erhöhung der Wasserzufuhr, um die zügige Ausschwemmung von kleinen Cystinkonkrementen zu fördern und somit der Bildung von Cystinsteinen entgegenzuwirken. 

Zu 1.:
Bei der Futterplanerstellung für einen cystinurischen Hund ist darauf zu achten, dass die pro Tag berechnete Mindestmenge an für den Organismus notwendigen Proteinen pro kg KM0,75 (KM = Körpermasse) möglichst genau eingehalten wird, um einerseits die krankheitsbedingt über die Niere und somit den Urin ausgeschiedene Menge an der Aminosäure Cystin so niedrig wie möglich zu halten und andererseits die Ration an sonstigen Aminosäuren als Bestandteile des Proteins zuzuführen, die zur Funktionserhaltung des Organismus benötigt wird. 

Zusätzlich besteht noch die Möglichkeit, sich bei der Erarbeitung des Diätplans an dem für einige Futtermittel dokumentierten Cystingehalt [3] zu orientieren.  

Da die besonders proteinreichen Nahrungsmittel Fleisch, Fisch, Eier sowie Milch(-produkte) auch die hauptsächlichen Energielieferanten für einen Kaniden darstellen, Proteine aber bei der erkrankungsspezifischen Diät limitiert werden müssen, sollten als zusätzliche Energiequelle Kohlenhydrate gefüttert werden, sofern sie für den Hund verträglich sind. 

Zu 2:
Der Urin-pH-Wert eines gesunden Hundes liegt im sauren Bereich (<7), ein Wert von 7 wird als „neutral“ bezeichnet, pH-Werte >7 sind dem alkalischen Bereich zuzuordnen.

Da Cystin im alkalischen Urin löslich ist, sollte über entsprechende Mineralisierung der Nahrung versucht werden, den Urin-pH-Wert im Idealfall bei >7 zu halten. Die Tatsache, dass sich pathogene Keime eher im alkalischen als im sauren Milieu der Harnblase wohlfühlen und somit fleißig vermehren können, sollte einerseits bedacht und andererseits bei Vorhandensein einer Cystinurie als das „kleinere Übel“ angesehen werden. 

Wünschenswert wäre in diesem Zusammenhang, den Patientenbesitzer in die Durchführung der einfachen Urinuntersuchung per Teststreifen (z.B. Combur Test 9® oder 10®) einzuweisen, mit welcher sich sowohl der Urin-pH-Wert kontrollieren lässt, als auch bei positiven Nitrit-, Erythrozyten- und/oder Leukozyten-Testergebnissen eine bakterielle Blasenentzündung bzw. eine Blasenreizung zügig erkannt und, sofern notwendig, therapiert werden kann. Eine einmal wöchentliche Harnuntersuchung per Teststreifen sollte im Regelfall ausreichend sein.


Folgende Maßnahmen eignen sich zur dauerhaften Trinkmengensteigerung beim Hund:

  • Zurverfügungstellung mehrerer Frischwasserquellen in Wohnung/Haus/Garten,
  • Trinkwasserangebot auf längeren Spaziergängen und Autofahrten sicherstellen, 
  • Wasser „attraktiver“ machen, z.B. durch Hinzugabe einer Kleinstmenge Leberwurst, Hüttenkäse o.ä.; auch Flüssigkeit, welche beim Kochen von ungewürztem Fleisch und Gemüse anfällt, eignet sich in stark verdünnter Form zur Trinkmotivation,
  • Futter immer „suppig“ bereitstellen: Trockenfutter sollte, wenn nicht darauf verzichtet werden kann, mindestens im Verhältnis 1 : 3 (Trockenfutter : Wasser) vorbereitet werden; auch über das zu präferierende Nass- oder selbstgekochte Futter gehört für den an Cystinurie leidenden Hund eine großzügige Portion Wasser, obschon Nassfutter an sich bereits einen hohen Feuchtigkeitsgehalt hat. 

Die in der einschlägigen Literatur oft empfohlene Anreicherung des Futters mit Kochsalz ist kritisch zu sehen, da sich eine erhöhte Salzzufuhr negativ auf die Herz-Kreislauf- und auch Nierenfunktion auswirken kann. Sehr kurzfristig, d.h. maximal ein bis zwei Tage, sollte die zusätzliche Gabe von geringen Mengen Salz zur Trinkmengensteigerung allerdings möglich sein, sofern keine direkte Kontraindikation besteht (z.B. bekannte Herz- und/oder Niereninsuffizienz).

Selbstverständlich sollte einem Hund, der nun mehr als gewöhnlich Flüssigkeit aufnimmt, auch in entsprechend kürzeren Intervallen die Möglichkeit eingeräumt werden, seine Harnblase durch Entleerung zu entlasten.

Primäres Ziel der Trinkmengensteigerung in Verbindung mit einer Verkleinerung des Miktionsintervalls ist es, den trotz der o.g. Ernährungsumstellung immer noch, aber höchstwahrscheinlich deutlich weniger vorhandenen Cystinkristallen und ggf. auch pathogenen Keimen weniger Zeit zum Verweilen in der Harnblase zu geben, um Cystinsteinbildung ebenso wie übermäßige Vermehrung pathogener Keime möglichst zu verhindern.

Grundsätzlich ist es sehr gut möglich, einen cystinurischen Hund mit selbstgekochtem Futter oder einem BARF-Konzept so zu ernähren, dass die Wahrscheinlichkeit eines (erneuten) Steinvorkommens deutlich reduziert wird, wenn die o.g. Vorgaben konsequent eingehalten werden.

Des Weiteren gibt es zwei industrielle Futtermittelhersteller [4], die damit werben, speziell an die Bedürfnisse eines Hundes mit Cystinurie angepasstes Nass- sowie auch Trockenfutter herzustellen.

Wenn ein cystinurischer Hund mit einem industriell hergestellten Spezialfutter ernährt werden soll, ist die vorherige sorgfältige Prüfung der optimalen Nährstoffzufuhr wünschenswert. Aus eigener Erfahrung kann festgestellt werden, dass das angebotene Spezialfutter nicht immer gut ausbalanciert ist.


Phytotherapeutische Unterstützung
Im Harntrakt desinfizierend wirken u.a. folgende Pflanzen:

  • Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi)
  • Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus)
  • Kranichbeere (Vaccinium macrocarpon)
  • Meerrettich (Armoracia rusticana)
  • Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea)

Bärentraube und Preiselbeere sollten nicht bei Jungtieren und ebenfalls nicht während der Trächtigkeit sowie Laktationsphase verwendet werden. Kapuzinerkresse und Meerrettich sind bei Magen-/Darmgeschwüren und Nierenerkrankungen kontraindiziert. 

Zur Aquarese (vermehrte, aber stoffwechsel- und elektrolytneutrale Harnausscheidung durch eine gesteigerte glomeruläre Filtration in der Niere) eignen sich z.B. folgende Pflanzen:

  • Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense)
  • Birke (Betula)
  • Brennnessel (Urtica)
  • Goldrute (Solidago virgaurea)
  • Hauhechel (Ononis spinosa)
  • Katzenbart (Orthosiphon aristatus)
  • Liebstöckel (Levisticum officinale)
  • Löwenzahn (Taraxacum; kontraindiziert bei Gallensteinen)
  • Petersilie (Petroselinum crispum; nicht während der Trächtigkeit und bei entzündlichen Nierenerkrankungen)
  • Wacholder (Juniperus communis; ebenfalls nicht während der Trächtigkeit und bei entzündlichen Nierenerkrankungen anwenden)

Bei Herz- und Niereninsuffizienz sowie bei Harnwegsobstruktion dürfen grundsätzlich keine aquaretisch wirkenden Pflanzen gegeben werden!


Homöopathische Ansätze
Mögliche Einzelmittel, welche bei durch Cystinsteine verursachten Symptomen eingesetzt werden können, sind beispielsweise:

  • Acidum benzoicum
    bei sehr scharf riechendem Harn, Inkontinenz und Zystitis
  • Arnica montana
    bei Hämaturie, eitrigen Phänomenen, sehr schmerzhafter Miktion infolge Blasentenesmus, dunkelrotem Urinsediment
  • Belladonna
    bei Steinkoliken, Harnverhaltung, dunklem, trübem und phosphathaltigem Urin, häufigem und reichlichem Urinieren, akuter Infektion der Harnwege, Inkontinenz mit dauerndem Tröpfeln und Durstlosigkeit bei Fieber
  • Berberis vulgaris
    zur Anregung der Harnausscheidung und Förderung des Steinabgangs, bei Hämaturie mit hellrotem Sediment, Schmerzen in den Oberschenkeln und Lenden beim Wasserlassen sowie häufigem Wasserlassen
  • Borax
    bei durchdringendem Geruch des Urins und Furcht vor dem Wasserlassen
  • Calcium carbonicum
    bei Reizblase, Inkontinenz, reichlichem, dunkel-blutigem Urin mit weißem Sediment, der sauer riecht
  • Calcium phosphoricum
    bei vermehrtem Harnen mit Schwächegefühl und; Schmerzen in der Nierengegend
  • Cantharis
    zur Schleimhautabschwellung, bei Zystitis mit brennenden Schmerzen, häufigem und tropfenweisem Harnabsatz, blutigem Urin, unerträglichem dauerndem Harndrang und gallertartigem Urin
  • Causticum
    bei Überdehnung der Blase als Ursache für eine Zystitis, Inkontinenz beim Husten, Niesen und bei Erregung sowie bei langsamer Blasenentleerung
  • Chimaphila umbellata
    ein großes Nieren- und Urogenitalmittel bei spärlichem Urin; fadenziehendem, schleimig-eitrigem oder blutigem Urinsediment, Harndrang, trübem, übelriechendem Urin und bei nur durch Pressen möglichem Urinieren
  • Hamamelis
    bei Hämaturie mit verstärktem Drang
  • Lithium carbonicum
    bei Schmerzhaftigkeit der Blase, des Harnleiters und der rechten Niere, spärlichem trübem Urin mit rotem Satz, subakuter und chronischer Zystitis
  • Lycopodium
    als Umstimmungstherapie, damit der Organismus nicht mehr zur Steinbildung tendiert, bei Rückenschmerz vor dem Wasserlassen, wenn der Urin nach dem Pressen nur langsam kommt, nächtlicher Polyurie und schwerem rotem Sediment
  • Phosphorus
    bei sehr plötzlich auftretenden Symptomen wie Hämaturie, besonders auch in Verbindung mit akuter Nierenentzündung und trüb-braunem Urin mit rötlichem Sediment
  • Pulsatilla
    bei Zystitis, vermehrtem Drang, der sich nach dem Hinlegen bessert, Inkontinenz nachts beim Husten oder Niesen und spasmischem Blasenschmerz nach dem Wasserlassen
  • Sabal serrulata
    als Steinzertrümmerer, „homöopathischer Katheter“, bei Zystitis, Harninkontinenz, dauerndem nächtlichem Harndrang und schwierigem Wasserlassen
  • Sarsaparilla
    bei Harngrieß, starkem Schmerz am Schluss der Miktion, tröpfelndem Urin beim Sitzen und Liegen, spärlichem, schleimigem, flockigem, sandigem und blutigem Urin
  • Serum Anguillae
    bei Oligurie und Anurie zur Wiederherstellung der Diurese
  • Solidago virgaurea
    zur Umstimmung des Organismus und Anregung der Harnausscheidung, macht manchmal den Kathetergebrauch unnötig, großes Nierenmittel bei klarem und übelriechendem Urin, spärlichem, rötlich-braunem und dickem Sediment, auch bei Dysurie, Grieß, schwierigem und spärlichem Urinieren sowie Eiweiß, Blut und Schleim im Urin
  • Thlaspi bursa pastroris
    bei Harngrieß, häufigem Harndrang, phosphatreichem und schwerem Urin, der in kleinen Stößen abgeht, bei chronischer Zystitis, Dysurie, Hämaturie und Ziegelmehlsediment

Folgende Komplexmittel können hilfreich sein:

  • Reneel®
    zur Besserung der Beschwerden bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege
  • ReVet® H 18
    bei Blasenentzündung, Blasenentleerungsstörung, Entzündung der harnbildenden und harnableitenden Wege sowie Harngrieß
  • Solidago comp.
    zur Ausscheidungssteigerung
  • Spascupreel®
    bei Koliken
  • Traumeel®
    wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend

Selbstverständlich ist eine Unterstützung des blasensteinkranken Hundes auch mit z.B. Bioresonanz, Mykotherapie etc. pp. möglich. 


Zusätzliche Möglichkeiten des Tierhalters
Als Halter eines cystinurischen Hundes hat man viele Möglichkeiten, den Krankheitsverlauf durch konsequentes Handeln und gute Beobachtung seines vierbeinigen Gefährten im Alltag positiv zu beeinflussen und ein (erneutes) Cystinsteinvorkommen im Optimalfall zu verhindern bzw. möglichst frühzeitig zu erkennen:

  • eine konsequente Einhaltung der krankheitsspezifischen Ernährung gewährleisten,
  • für ausreichende Trinkwasseraufnahme sorgen und ggf. Trinkmotivation steigern,
  • kurze Miktionsintervalle ermöglichen,
  • das Miktionsverhalten beobachten, bei Veränderungen den behandelnden Tierheilpraktiker und/oder Tierarzt informieren, 
  • wenn machbar, wöchentliche Urinkontrollen per Teststreifen durchführen (pH-Wert, Entzündungszeichen beachten), bei positivem Befund zügige Therapieeinleitung durch Tierheilpraktiker und/oder Tierarzt ermöglichen,
  • ggf. verordnete Medikamente nach Anweisung verabreichen,
  • regelmäßige Gewichtskontrolle und ggf. die Energiezufuhr und das Aktivitätslevel anpassen sowie
  • den Schutz vor Nässe und Kälte durch z.B. geeigneten Hundemantel ermöglichen, kein unnötiges langes Sitzen oder Liegen auf kaltem Boden zulassen, den nassen Hund zügig und gründlich abtrocknen etc.

Zusätzlich ist es wünschenswert, dass der Hundebesitzer sein Tier ca. einmal jährlich einem Tierarzt zur Ultraschalluntersuchung der Blase vorstellt, um eventuell vorhandene Cystinsteine oder andere pathologische Veränderungen der harnableitenden Organe auszuschließen, die nur mittels Bildgebung relativ sicher diagnostizierbar sind (z.B. Neoplasien etc.). Bei dieser Gelegenheit könnte auch eine Blutuntersuchung erfolgen, bei welcher der Fokus auf den Nieren- und Entzündungswerten sowie den Elektrolyten liegen sollte.

Sofern ein Rassehund von Cystinurie betroffen ist, sollte außerdem der zuständige Zuchtverein vom Patientenbesitzer über die festgestellte erblich bedingte Erkrankung seines Hundes informiert werden, um geeignete Zuchtlenkungsmaßnahmen zu veranlassen.


Zusammenfassung
Bei der Cystinurie handelt es sich um eine genetisch bedingte Stoffwechselanomalie, die sich auf den Aminosäurestoffwechsel auswirkt. Aufgrund einer Rückresorptionsstörung von Cystin in den Nierenkanälchen kommt es zur Ausscheidung des Cystins über den Urin. Da Cystin im normalerweise sauren Milieu des Harns nicht lösbar ist, können sich aus den im Übermaß vorhandenen Cystinkristallen folglich Harngrieß und/oder Harnsteine bilden. 

Die Verlegung der Harnwege durch Blasensteine ist eine u.U. lebensbedrohliche Komplikation der Cystinurie, die das umgehende therapeutische Eingreifen eines Tierarztes erforderlich macht (medikamentöse Steinauflösung, meistens aber chirurgische Steinentfernung). 

In der Folgezeit ist eine lebenslange Steinprophylaxe notwendig:

  • Ernährungsumstellung = Limitierung des Proteins auf die zur Aufrechterhaltung des Stoffwechsels benötigte Mindestmenge und somit Reduktion der mit der Nahrung aufgenommenen Aminosäure Cystin als Bestandteil der Proteine,
  • Alkalisierung des Harns = Besserung der Löslichkeit des Cystins im Urin,
  • Trinkmengensteigerung = Durchspülung der Harnblase und somit Ausschwemmung von kleineren Cystinkonkrementen,
  • engmaschige Urinkontrolle auf Entzündungszeichen = durch den harten und scharfkantigen Harngrieß und kleine Blasensteine kann die empfindliche Schleimhaut derart gereizt werden, dass es vermehrt zu Zystitiden kommen kann.

Während die Entfernung vorhandener Blasensteine bei Verlegung der Harnwege zwingend das veterinärmedizinische Eingreifen erfordert, ist es für einen Tierheilpraktiker sehr gut möglich, den Besitzer eines cystinurischen Hundes sowohl bzgl. der konsequenten Steinprophylaxe zu beraten und zu unterstützen, als auch ggf. immer mal wieder auftretende Harnblasenreizungen und Zystitiden komplementärmedizinisch zu therapieren.

Die anzustrebende gute Kooperation zwischen Patientenbesitzer, Tierheilpraktiker und Tierarzt kann für einen cystinurischen Hund ein überwiegend beschwerdefreies Leben und eine durchschnittliche Lebenserwartung bedeuten. 

 

Quellen:

[1]            https://www.tiho-hannover.de/nc/pdfversion/kliniken-institute/institute/institut-fuer-tierzucht-und-vererbungsforschung/forschung/forschungsprojekte-hund/cystinurie (Stand 10.03.2021)

[2]            COLA-Test = quantitative Bestimmung der Aminosäuren Cystin, Ornithin, Lysin und Arginin im Urin, z.B. durch LABOKLIN, Labor für klinische Diagnostik GmbH & Co. KG, Bad Kissingen

[3]            Zentek, Jürgen: Ernährung des Hundes, Grundlagen-Fütterung-Diätetik, begründet von Helmut Meyer; 8. Auflage, 2016

[4]            Hill's PRESCRIPTION DIET & Royal Canin (Stand 07.05.2021)

[5]            PerNaturam GmbH, An der Trift 8, 56290 Gödenroth, 06762-96362-0, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

[6]            Krauterie GmbH, Teichkoppel 36, 24229 Dänischenhagen, 04349 / 979 90 50, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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