Tierheilpraktikertage 2026 - Der Rückblick
Hinweis
Der folgende Blog-Beitrag wurde erstellt und zur Verfügung gestellt von verschiedenen Teilnehmern der THP-Tage.
Hohenroda-Wetter ist meistens gut, selten aber „zu gut“ wie in diesem Jahr: wir erwischten ein Extrem-Wochenende mit Temperaturen bis an die 40 Grad. Da war selbst das Bad im lauwarmen Schwimmteich keine wirkliche Erfrischung mehr.
Der Informationsvermittlung der Referent*innen, dem Wissensdurst der Teilnehmer*innen und dem Engagement der Aussteller*innen tat dies keinen Abbruch. Umso schöner sind tropische Temperaturen, wenn abends im Biergarten der informelle Teil startet, Freundschaften erneuert oder geschlossen werden, Aussteller*innen, Teilnehmer*innen und Referent*innen sich vernetzen, fachlicher Austausch stattfindet und in lockerer Atmosphäre auf neue Kenntnisse und Erfahrungen angestoßen wird.
Die Tiergesundheitsausstellung
Sowohl neue als auch bekannte ausstellende Unternehmen gaben einen vielfältigen Überblick über Praxisbedarf, Nahrungsergänzungen, Pflegemittel, Therapietechnik, Wundversorgung, Aus- und Weiterbildung, Ernährung und Vieles mehr. Wie immer waren alle Plätze frühzeitig vergeben, bedauerliche Absagen konnten wir kurzfristig durch „Nachrücker“ kompensieren. Vielen Dank noch einmal an alle Aussteller*innen, dass sie die Veranstaltung mit ihren Angeboten und Informationen bereichert haben.
Rezensionen der Vorträge
Eröffnungsvortrag
Prof. Dr. med. vet. Achim Gruber, Ph.D.: Krank durch Zucht: Hintergründe, Auswege und aktuelle Entwicklungen
Erwartungsgemäß (und verdientermaßen) war der herausragende Vortrag von Prof. Dr. Achim Gruber am Freitagabend der Spitzenreiter bei den Bewertungen auf unseren Evaluierungsbögen – auch wenn (oder weil?) er deutlich länger ausfiel als geplant. Aber keine*r der Zuhörenden drängte auf ein Ende, wir haben seine Ausführungen wirklich aufgesogen und ihm gebannt zugehört. Es war ein prägender Vortrag, der uns noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
Beeindruckend war neben der hohen Sprachgeschwindigkeit (einfach unglaublich, wieviel Fachwissen und Hintergrundinformationen innerhalb 1 Minute Redezeit auf uns hereinbrachen …..) seine tiefe Verbindung mit dem Thema – der Referent wusste einfach in jeglichen Details, wovon er sprach, und man bemerkte sein „Brennen“ für das Thema, das er ausstrahlte. Wiederum bestürzend war die Zeitachse, auf der sich darstellen ließ, wie sich innerhalb kürzester Zeit (im Vergleich zur Gesamtzeit des Zusammenlebens zwischen Hunden und Menschen) durch züchterische Eingriffe die Hundegesundheit der „Landrassen“ in die teilweise erbärmlichen Zustände der heutigen „Reinrassen“ verändert hatte.
Eindringlich auch die Zahlen der inzwischen über 800 bekannten Erbkrankheiten, die sich durch die extreme Selektierung auf bestimmte Zuchtziele mittlerweile etabliert haben. Damit ist der Begriff der „Reinrassigkeit“ nicht mehr als Qualitätssiegel anzusehen, sondern eher als Grund, besonders genau abzuwägen, ob und welche (reinrassige) Hunderasse man wählt. Auch bei Katzen haben wir in vielen Rassen inzwischen ähnliche tierschutzrelevante Gesundheitsprobleme, die durch Reinzucht entstanden sind.
Hilfreich waren im Vortragsskript Links und Tipps, die zusätzliche Informationen liefern sowie Hilfestellung, zum Beispiel auch bei der Kaufentscheidung, leisten können. Zudem ließ uns Prof. Gruber am Ende mit dem Dilemma der „Defektzucht“ nicht allein, sondern stellte auch Lösungsansätze vor. Schön war bei allem Schwermut, den dieser Vortrag hinterließ, dass am Ende auch gangbare Wege in der Zucht hin zu gesünderen Hunden und Katzen aufgezeigt wurden. Wir nahmen als humorvolle Einlage zum Vortrag die Empfehlung mit, einen Hund zu kaufen, der aussieht, „wie Kinder ihn malen würden“: Mittelgroß, mit langer Schnauze, geraden Beinen und Rücken und langer Rute – es ist viel Wahres dran an den Kinderbildern!
Es war ein rundum gelungener Vortrag, so viel Idealismus, gepaart mit der Begeisterung zu lehren! Auch wenn bei uns als Veranstalterinnen das schlechte Gewissen durchkam, Herrn Professor Gruber solange an diesem Abend bei uns gehabt und entsprechend spät in seinen wohlverdienten Feierabend entlassen zu haben, so waren wir doch sehr dankbar für jede kostbare Minute, die er uns gönnte mit seinen Ausführungen.
Die Saat ist gelegt – jetzt ist es (auch) an uns, die Botschaft in die hunde- und katzenhaltende Kundschaft hinauszutragen und den Finger an die Wunde zu legen – auch wenn´s ziept!
Monika Stangl: Homöopathische Notfallmittel bei psychischen Traumen/Homöopathie in der Wund- und Narbenbehandlung
Meine erste Anlaufstelle auf den THP-Tagen in Hohenroda 2026 waren die Vorträge der Tierheilpraktikerin Monika Stangl. Thema waren einmal „Homöopathische Notfallmittel bei psychischen Traumen“ und im Anschluss „Homöopathie in der Wund- und Narbenbehandlung“.
Ruhig, kompetent und sachlich hat uns Monika durch das spannende Thema geführt.
Die Homöopathie funktioniert nur mit einer detaillierten Anamnese. Leitsymptom, Modalität und Kausalität führen uns zum passenden Mittel. Auch wenn wir oft gerne eine schnelle Lösung möchten, der Teufel liegt bekanntlich im Detail, oder im Simile. Ist dies erkannt geht es mit der Genesung doch schnell voran.
Die kleinen Dinge machen den Unterschied und so gibt es für jede Wunde, sichtbar oder unsichtbar, das passende Mittel. Von Monika wunderbar anschaulich und klar erklärt.
Meine Liebe zur Homöopathie hat sich weiter bestärkt.
Danke nochmal an Monika für die Vorträge, die detaillierten Skripte und ihre unaufgeregte Art ..… sehr sympathisch!!!
Nadin Matthews: Vortragsreihe "Trauma - lieber keinem!?"
Was für ein Wochenende in Hohenroda! Nicht nur die Temperaturen, sondern auch die Themen der Tierheilpraktikertage rund um die Entstehung und die Therapie von Traumen waren heiß!
Nadin Matthews, die für zwei Vorträge am Samstagnachmittag gewonnen werden konnte, zählt zu den besten Hundetrainer*innen Deutschlands und bildet selbst Hundetrainer*innen und Dogwalker*innen aus. Als Robert Mehl, mit dem sie zusammenarbeitet, kurzfristig seine beiden Vorträge am Samstagvormittag zu “seelischen Traumen und Wunden beim Tier“ absagen musste, hat sie auf Anfrage kurzerhand diese übernommen und zur Gesamtthematik eine 4-teilige Vortragsreihe konzipiert. Die ersten beiden Vorträge hatte ich das Vergnügen besuchen zu können.
Deren Inhalte waren vielfältig:
Es ging um die Definition von Trauma, Traumafolgestörungen, Formen traumatischer Erfahrungen nach Lenore Terr und vieles mehr. Belegt wurde alles mit Skalen und Schemata, zu denen mein Gehirn keinen Zugang findet. Doch Nadine Matthews vermittelte die Bedeutung dieser Forschungsergebnisse so lebendig und humorvoll, dass auch ich verstanden habe, um was es geht!
Sie konnte die wissenschaftlichen Fakten zu diesem großen Thema “Trauma“ kurzweilig und authentisch beschreiben und fügte aus ihrer großen Erfahrungsschatzkiste viele erklärende Beispiele hinzu.
Mein wichtigster Satz aus ihren Vorträgen war: Trauma beginnt, wo Sicherheit endet.
Für mich wird dadurch wieder klar, dass Tierhalter*innen beim Thema Trauma immer mit ins Boot geholt werden müssen.
Herzlichen Dank für drei spannende Stunden!
In der Praxis begegnen mir viele traumatisierte Hunde, nicht zuletzt durch die Hunde, die aus dem Auslandstierschutz zu uns kommen. In die Tierheilpraxis kommen sie zumeist wegen körperlicher Symptome, die häufig, beleuchtet durch eine umfassende Anamnese, im Zusammenhang mit traumatischen Ereignissen stehen. Daher fand ich das Angebot dieser Vortragsreihe ausgesprochen spannend für meine tägliche Arbeit.
Die ersten beiden Teile am Vormittag, drehten sich um die Grundlagen traumatischen Erlebens bei Hunden und das Verständnis der Trauma-Symptomatik. Dieser Part war zunächst für den Referenten Dr. Robert Mehl angesetzt und wurde nach dessen Ausfall von Nadin kurzfristig und souverän übernommen. Nach dieser theoretischen Einführung ging es am Nachmittag in Teil 3 und 4 um praktische Ansätze der Traumatherapie beim Hund und deren Umsetzung.
Beleuchtet wurden traumatherapeutische Verfahren aus der Humantherapie und deren Übertragbarkeit auf und Umsetzbarkeit in die Therapie beim Hund. Eindrücklich schilderte Nadin, dass es wenig zielführend ist, die Symptomatik eines traumatisierten Hundes „abzutrainieren“, also das Symptom – wie z. B. Aggression – zu bekämpfen, da es als Ausdrucksmöglichkeit des Hundes zu sehen ist. Nimmt man ihm diese Möglichkeit, verschiebt sich das Problem lediglich und verlagert sich, was sich wiederum durch neue emotionale, aber auch physische Symptome zeigen kann. Ein Aspekt, den ich als ganzheitlich denkende Therapeutin als ausgesprochen schlüssig nachvollziehen konnte.
Das setzt in der Traumatherapie ebenfalls eine gründliche Anamnese voraus, um ein Verständnis für den Hund zu entwickeln und ihn anzunehmen, wie er ist. Es erfordert gleichfalls Feingefühl für den Menschen als Hundebesitzer*in, der ja gekommen ist, um das Problem (= Verhaltensauffälligkeit als Symptom) loszuwerden. Verhalten muss zunächst verstanden werden, bevor es verändert werden kann.
Nadin zeigte, wie wichtig die Rolle der Therapeut*innen und ihre Fähigkeiten sind, die neben Fachwissen auch persönliche Kompetenzen einschließen. Neben einer guten Beobachtung und Diagnostik bildet die Verhaltensanalyse die Grundlage therapeutischen Handelns.
Ein wichtiger Teil der Traumatherapie beim Hund ist die Arbeit mit dem Menschen – sei es, das Management im Alltag zu optimieren, aber auch für die Arbeit notwendige Kenntnisse über Verhalten, Trauma und Nervensystem zu vermitteln. Zu der therapeutischen Arbeit gehören Einordnung der Symptome (auch der physischen), Raumgeben der Emotionen in für alle Beteiligten sicherem Rahmen, Beziehungsgestaltung im Alltag und körperpsychotherapeutische Arbeit. Nadin erläuterte in diesem Zusammenhang die Begriffe der Co- und Selbstregulation und korrigierende Beziehungserfahrungen (um dem Hund in der Vergangenheit versäumte Erfahrungen wie Schutz, Orientierung, verlässliche emotionale Verfügbarkeit zu vermitteln).
Als wichtig stellte die Referentin dar, zu erkennen, dass eine Belastung nicht rückgängig gemacht, aber eine Entwicklung angeschoben werden kann, um neue Erfahrungen zu machen, die dem Hund letztlich zu mehr Lebensqualität verhelfen.
Nadin konnte dieses komplexe Thema lebendig und alltagstauglich vermitteln, was uns einen Einblick in ihre spannende und so wichtige Arbeit, die Arbeit mit traumatisierten Hunden, gewährte. Besonders erfreulich fand ich ihre Haltung zur interdisziplinären Arbeit – ob mit Osteopath*innen, Akupunkteur*innen usw., getreu dem Motto: gemeinsam für den Hund!
Stefanie Schult: Stress durch Traumata bei Katzen
Stefanie Schult ist Tierheilpraktikerin mit den Schwerpunkten klassische Homöopathie für Katzen und Kaninchen sowie Verhaltensberatung für Katzen.
In ihrem Vortrag von zwei Mal 1,5 Stunden erläuterte Stefanie Schult zunächst das arttypische Verhalten von Katzen. Im Anschluss definierte und erklärte sie, was sowohl akuter, als auch chronischer Stress auf körperlicher Ebene bedeutet und welche Auswirkungen der Stress hat.
Auch die Auswirkungen auf das Verhalten und die Gesundheit, vor allem von chronischem Stress, kamen dabei nicht zu kurz. Im Anschluss wurden die möglichen Stressoren von Katzen erläutert. Der Fokus lag dabei auf dem Alltag von Katzenhaltenden und Katzen.
Im weiteren Verlauf definierte Stefanie Schult den Begriff des seelischen Traumas, was mögliche Auslöser seelischer Traumen sein können, und wie die Auswirkungen zu erkennen sind. Das individuelle Stressbewältigungsvermögen, die Stressprävention vor potenziell stressauslösenden Situationen sowie der Umgang mit Katzen, welche unter Stress stehen oder/ und an Traumafolgen leiden, rundeten den sehr gelungenen Vortrag ab.
Stefanie Schult gelang es hervorragend, den Therapeut*innen ein Verständnis für Stress und Traumatisierungen bei Katzen sowie hilfreiche Handlungsoptionen zum Umgang mit diesen Katzen zu vermitteln.
Prof. Dr. Konstanze Krüger-Farrouj: Tierschutzrelevante und stressauslösende Aspekte der Pferdehaltung und deren Vermeidung
Frau Prof. Dr. Krüger-Farrouj lehrt und forscht als Tiermedizinerin und Zoologin an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen im Fachbereich Pferdehaltung.
Zunächst erläuterte Frau Dr. Krüger-Farrouj in ihrem Vortrag die Bedürfnisse des Pferdes sowie die Leitlinien für Pferdehaltung nach Tierschutzgesichtspunkten in Bezug auf die unterschiedlichen Haltungsformen. Im Anschluss erörterte sie mögliche Mängel in der Pferdehaltung in Bezug auf die Bedürfnisse der Pferde, insbesondere an welchen Merkmalen oder an welchem Pferdeverhalten diese erkannt werden können und wie mögliche Lösungen aussehen könnten oder sollten.
Der Doppelvortrag à 1,5 Stunden war gespickt von neuesten Studienergebnissen zu Stress bei Pferden, welche Frau Dr. Krüger-Farrouj gemeinsam mit den Studierenden durchgeführt hat. Beispielsweise präsentierte sie aktuelle Erkenntnisse zu unterschiedlichen Methoden der Eingliederung neuer Pferde in bestehende Herden, zur Hengst- sowie zur Hengst/ Wallach-Gruppenhaltung, zum Platzbedarf oder zur Umstellung junger Pferde von der Gruppen- zu Boxenhaltung.
Im Anschluss wurde noch ein kurzer Exkurs zum Verständnis der sensorischen und motorischen Lateralität bei Pferden unternommen, zu diesem Thema hat Frau Dr. Krüger-Farrouj auf den Tierheilpraktikertagen 2024 referiert und ein Buch veröffentlicht.
Insgesamt war es die Arbeit in unseren Praxen sehr bereichernder und spannender Vortrag.
Dr. med. vet. Silke Stricker: Magenulcera beim Pferd
Die Statistik, wie viele Pferde von EGUS betroffen sind, ist erschreckend, leiden doch je nach Nutzung, Haltung, Ernährung und weiterer Umweltfaktoren bis zu 65% der Pferde darunter.
Daher war es umso bedeutender, dass die sowohl schulmedizinisch als auch in klassischer Homöopathie, Phytotherapie und Regulationsmedizin erfahrene Tierärztin Dr. med. vet. Silke Stricker sich des Themas angenommen hatte.
Mit einem Abriss der Anatomie des Magens und der Physiologie der Magenverdauung stieg sie in das Thema ein und machte deutlich, welche Faktoren und Prozesse zu einem „Magengeschwür“ beim Pferd führen bzw. dieses begünstigen, welche Anzeichen auf die Erkrankung hindeuten können und wie die Diagnose erfolgt.
Die schulmedizinische Therapie mit seinen Vor- und Nachteilen insbesondere bei Langzeitanwendungen, war ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags. Die naturheilkundliche Begleitung der Behandlung sowie die Anpassung von Fütterung und Haltung gemeinsam mit den Pferdebesitzer*innen ist das A und O des Erfolges. Ein Fokus muss dabei auch z.B. auf das in der Duodenalflüssigkeit von Pferden mit Magenulcera nachgewiesene Glyphosat gerichtet werden, das mit Hilfe von Huminsäuren im Organismus gebunden und ausgeleitet werden kann.
Therapeutisch kann vor allem die Phytotherapie (schleimbildend, antiinflammatorisch, schleimhautberuhigend und -schützend) angewandt werden. Auch die Ergänzung von Omega-3-Fettsäuren (marine Öle) ist ein wichtiger Bestandteil in der Optimierung der Fütterung. Sowohl die Mykotherapie als auch besonders die Homöopathie mit ihrem Blick auf das gesamte Tier mit seinen individuellen Empfindlichkeiten, ist sehr hilfreich. Basis bleibt ein ganzheitliches Fütterungsmanagement und ein aufmerksamer Blick auf das Sozialgefüge der Pferdegruppen.
Dr. Strickers Vortrag gab uns wieder einmal viel Input an die Hand, wie wir die Halter*innen beraten und unsere Therapien zum Wohle der Pferde einsetzen können.
Jessica Fischer: Erste Hilfe beim Pferd, Wundarten und Wundversorgung, Narbenbehandlung
Der Vortrag „Erste Hilfe am Pferd“ durch die TMFA und THP/TO Jessica Fischer blieb leider sehr hinter den Erwartungen zurück. Für Pferdehaltende sicher eine gute Informationsbasis, blieb er doch für uns als Tiertherapeut*innen zu oberflächlich. Hier hätten wir uns alle mehr Tiefe gewünscht.
Umso mehr haben uns die Vorträge zur Wund- und Narbenversorgung wichtige Informationen geliefert. Beim Wundmanagement wurden die einzelnen Heilungsphasen bei Hautverletzungen noch einmal dargestellt, die Wundarten mit ihren Risiken und Ansprüchen in der Versorgung klar herausgearbeitet und spezielle Wundgeschehen bei Kleintieren und Pferden explizit erwähnt. Fotos zu Wunden und Heilungsverlauf rundeten den guten Vortrag ab.
Auch wurden diverse Möglichkeiten der Wundversorgung in Abhängigkeit des Wundzustandes vorgestellt, sowohl Verbandmaterialien als auch lokale Pflege- und Wundbehandlungsmittel aus der Schulmedizin, Bilder dazu erleichterten den Überblick. Dazu gehörten zudem Informationen zur Verbandlehre und dem Aufbau eines korrekten und hygienisch einwandfreien Wundverbandes, wo notwendig.
Bei den naturheilkundlichen Möglichkeiten zur Wundversorgung wurde ein breiter Strauß an phytotherapeutischen Einsatzmöglichkeiten (äußerlich-lokal wie auch innerlich zur systemischen Unterstützung) und homöopathischen Mitteln gebunden, darüber hinaus fanden Laserfrequenztherapie, Blutegel, Vitalpilze und diverse Nahrungsergänzungsmittel mit vorteilhafter Wirkung für die Wundheilung und Hautregeneration Raum. Wichtig waren zudem die Tipps für eine ausreichende Wunddokumentation per Foto – etwas, was im Praxisalltag allzu leicht vergessen wird. Insofern konnte aus diesem Vortrag sehr viel mitgenommen werden für die tägliche Praxis zuhause – unabhängig, ob man es mit akuten oder chronischen/ schlecht heilenden Wunden zu tun hat.
Im folgenden Vortrag zum Narbenmanagement stellte Jessica Fischer zunächst die verschiedenen Narbenarten vor und wies zudem auf deren weitreichende Auswirkungen auf Faszien und damit unter Umständen auch auf den gesamten Körper hin. Ein wichtiger Hinweis war in diesem Kontext zudem, bei der Anamnese prinzipiell nicht nur nach OPs (und deren Narben) zu fragen, sondern auch weiter zu bohren in der Fragestellung gegenüber den Tierhaltenden nach Verletzungen, die evtl. zur Narbenbildung (und damit zur Ausbildung eines möglichen Störfeldes am Körper) beigetragen haben könnten. Etwas, was oftmals bei der Anamneseerhebung leicht untergeht oder in seiner Bedeutung und Einflussnahme unterschätzt wird.
Die Einflüsse von bestimmten Narben, z. B. die Kastrationsnarbe bei Hündin oder Wallach, wurden klar dargestellt in ihrer Reichweite über Faszien bis hin in weitere Körperstrukturen und -areale, die Referentin beschrieb mögliche Symptome, die manchmal gar nicht mehr mit der ursächlich zugrunde liegenden Narbe in Verbindung gebracht werden. Genaue Hinweise zur Narben-Untersuchung und einer ersten Einschätzung auf mögliche Folgeketten rundeten den ersten Teil des Vortrages ab.
Beim Narbenmanagement bekam die manuelle Narbenmobilisation ebenso ihren Raum wie die Faszienbehandlung und Osteopathie. Möglichkeiten der Narbenbehandlung mit kinesiologischen Tapes, Laser- oder Magnetfeldtherapie, Akupunktur und Blutegeleinsätzen machten das Bild rund. Zusätzlich fanden noch innerliche und äußerliche Anwendungen von Homöopathie, Phytotherapie, Vitalpilzen sowie Schüssler Salzen ihre Erwähnung, darüber hinaus gab es auch hier Tipps zu Nahrungsergänzungsmitteln. Wichtig in diesem Kontext war die Besprechung der Grenzen der Tierheilpraxis beim Wund- und Narbenmanagement. Insofern waren diese beiden Vorträge ein wertvoller Input für Neulinge und „alte Hasen“.
Tanja Patschkowski: Tierkommunikation bei seelischen Traumen
Der Sonntag startete wieder mit warmen Temperaturen aber zum Glück gut klimatisiertem Vortragsraum mit dem Vortrag „Tierkommunikation bei seelischen Traumen“.
Tanja Patschkowski berichtete uns, was Tierkommunikation bedeutet, wie sie entstand und wie ihr eigener Weg zur Tierkommunikation verlief. Sie zeigte auch einige wichtige Qualitätsmerkmale der Ausbildung auf.
Anschaulich erfuhren wir anhand von Praxisbeispielen die vielen Möglichkeiten einer Kommunikation mit Tieren speziell bei verschiedenen Traumata. Auch die Wichtigkeit der Einbeziehung des Tierbesitzers und die Achtsamkeit im Umgang mit jedem Individuum ließ sie dabei nicht außen vor.
Tanja hat es geschafft, jede*n Teilnehmer*in interaktiv einzubeziehen. Mal spannend, mal emotional verlief der Vortrag sehr kurzweilig und macht Lust auf mehr.
Miriam Steinmetz: Erste Hilfe bei Hund und Katze
Der Erste-Hilfe-Vortrag für Hunde und Katzen, den Miriam Steinmetz auf den Tierheilpraktiker-Tagen in Hohenroda gehalten hat, war äußerst praxisnah und gut strukturiert. Ihre jahrelange Erfahrung als Tierheilpraktikerin war deutlich zu spüren. Sie verstand es, komplexe Notfallsituationen verständlich und ruhig zu erklären und den Teilnehmenden Sicherheit im Umgang mit kritischen Momenten zu vermitteln.
Der Aufbau des Vortrags folgte einem klaren roten Faden:
Zunächst wurden Grundlagen der Herz-Lungen-Wiederbelebung vorgestellt, inklusive typischer Fehler und konkreter Handgriffe, die im Ernstfall Leben retten können.
Anschließend ging sie auf den Notfall „Magendrehung“ ein und zeigte, wie wichtig das rasche Erkennen der Symptome und das sofortige Handeln sind.
Den dritten Schwerpunkt bildeten Vergiftungen – hier wurden typische Giftquellen, Warnzeichen und sinnvolle erste Maßnahmen anschaulich beschrieben, ohne falsche „Hausmittel“ zu verharmlosen.
Besonders positiv hervorzuheben ist, dass Theorie und praktische Beispiele eng miteinander verknüpft waren: Die Referentin arbeitete mit Fallbeispielen aus ihrer langjährigen Praxis, beantwortete Fragen und gab klare, gut merkbare Handlungsschritte an die Hand. Der Vortrag war sowohl für Einsteiger*innen als auch für erfahrene Tiertherapeut*innen geeignet und macht deutlich, wie wichtig fundiertes Erste-Hilfe-Wissen für Tierhalter*innen und Tierheilpraktiker*innen ist – ein rundum empfehlenswerter Beitrag im Rahmen der Tierheilpraktiker-Tage.
Claudia Horn: Aromatherapie bei Traumen
Der Vortrag über Aromatherapie von Claudia Horn war schön gestaltet. Schon zu Beginn wurden alle von einem Aromadiffusor empfangen, der einen angenehmen Duft im Raum verteilte. Frau Horn erklärte zu Beginn, was ätherische Öle überhaupt sind, wie sie gewonnen werden, und wann und wo sie in der Vergangenheit eingesetzt wurden.
Nach einer Exkursion zu den Substanzen, der Herstellung und den Qualitätsunterschieden wurden auch die Anwendung beim Tier ausführlich erläutert. Auch durfte jede*r Teilnehmer*in einmal einige Düfte selbst beschnuppern und es wurde ein Duft in der Handfläche ausprobiert, ohne zu wissen was es ist.
Leider musste der Teil wann welche Öle bei welchen Erkrankungen zum Einsatz kommen aus Zeitgründen übersprungen werden. Hier blieb den Teilnehmer*innen nur das Nachlesen im Skript.
Zum Schluss zeigte Frau Horn uns noch einige Fallbeispiele aus Ihrer Praxis und erklärte, welche Öle sie hier eingesetzt hatte.
Birgit Lopez: Akupunktur in Akut- und Notfällen
Auf diesen sehr spannenden Vortrag mit Birgit Lopez hatte ich mich schon sehr gefreut.
Im ersten Teil des Vortrages ist Frau Lopez sehr ausführlich auf die Grundlagen der Akupunktur eingegangen. Für Akupunktur-Neulinge wäre es ein super Vortrag gewesen. Bedauerlich, dass im zweiten Teil des Vortrages nur noch wenig Zeit für das eigentliche spannende Thema „Akut-u. Notfallakupunktur“ verblieb. Ich hätte mir in diesem Vortrag weniger Grundlagen, sondern mehr Fälle bzw. Einsatz der Akupunktur in der Praxis gewünscht.
Mein Fazit zu diesem Vortrag: Für Anfänger*innen eine gute Wiederholung, für erfahrene Therapeut*innen ist jedoch der letzte spannende Teil des Themas zu kurz gekommen.
Manja Benedict: Der Emotionscode – emotionale Blockaden bei Tieren lösen
Passend zum Leitthema „Körperliche und seelische Traumen“ bot Manja Benedict eine spannende Einführung in den EmotionsCode nach Bradley Nelson.
Der Emotionscode ist eine energetische Methode, die davon ausgeht, dass unverarbeitete Emotionen als energetische Blockaden im Körper gespeichert werden. Mithilfe eine Frageschemas und kinesiologischer Muskeltests werden diese aufgespürt und anschließend durch eine Anwendung entlang des Lenkergefäßes gelöst.
Nach einem verständlich vermittelten theoretischen ersten Teil stand im zweiten Teil vor allem das praktische Arbeiten im Mittelpunkt: Unter Manja Benedicts Anleitung konnten die TeilnehmerInnen die kinesiologischen Abfragen nach der EmotionsCode-Tabelle und den Ablauf der Methode sowohl an menschlichen als auch an tierischen Übungspatienten ausprobieren.
Der Kurs war spannend und praxisnah gestaltet. Schnell wurde deutlich, dass der Emotionscode eine interessante Methode ist, deren sichere Anwendung jedoch vor allem eines braucht: Übung.
Manja Benedict führte die Gruppe mit viel Ruhe, Fachwissen und Geduld durch die praktischen Übungen und schuf eine offene, angenehme Lernatmosphäre. Ein inspirierender Workshop, der Lust macht, sich intensiver mit dieser Methode zu beschäftigen.
Jahin Gehl: Traumen aus biodynamischer Sicht
Jahin Gehl referierte über Traumabedeutung und Traumaheilung aus Sicht der biodynamischen Craniosacral-Therapie.
Im ersten Teil des Vortrages gab es eine interessante Einführung in die Entstehung und Bedeutung der biodynamischen Craniosacral-Therapie.
Wir haben zunächst theoretisch einen ausführlichen Einblick bekommen, wie die Einheit Cranium und Sacrum mit dem Rückenmark in Verbindung steht, welche Wechselbeziehungen zu den verschiedenen Funktionseinheiten des Körpers (Nerven-, Hormon-, Muskelsystem usw.) bestehen und wie sich das Alles aus der Embryonalphase entwickelt.
Passend zum Thema des Wochenendes lag das Hauptaugenmerk auf der Traumaentstehung und auf der Traumabewältigung. Eine zentrale Rolle hierbei kommt der Amygdala als Teil des limbischen Systems zu.
Sehr beeindruckend waren die praktischen Übungen im zweiten Teil. Jahin Gehl hat uns toll angeleitet und mit viel Begeisterung durch die Übungen geführt. Vor allem konnten wir lernen, wie wir mit der biodynamischen Craniosacral-Therapie Einfluss auf die Amygdala nehmen können, um damit den Körper zu bitten, ein Trauma zu heilen.
Es war ein sehr intensiver Vormittag, an dem alle Teilnehmer*innen viel mitnehmen konnten. Die praktischen Übungen waren so angelegt, dass man sie nach dem Kurs im Alltag sofort anwenden kann.
Göntje Verbarg-Roppelt
Abschlussveranstaltung
Angelika Lutz: Wie gelingt gute Kommunikation? Compliance beim Tierhalter sichern und Umgang mit schwierigen Tierhaltern
Den Abschlussvortrag bei den Tierheilpraktikertagen 2026 mit dem Titel „Compliance beim Tierhalter sichern und der Umgang mit schwierigen Situationen“ hat Angelika Lutz gehalten. Sie ließ sich dabei weder von der Hitze noch vom fächelnden Publikum aus der Ruhe bringen. Als Tierheilpraktikerin und Heilpraktikerin für Psychotherapie arbeitet Angelika mit Menschen und Tieren und hat uns einen Einblick in die Kommunikation zwischen Tierheilpraktiker*in, Tierbesitzer*in und Patient*in (die Kommunikation findet im Dreieck statt) gegeben.
Was ist überhaupt Compliance (es ist die Bereitschaft des Patientenhalters, aktiv an therapeutischen Maßnahmen mitzuarbeiten) und Kommunikation? Wie gestalte ich Kommunikation und welche Kommunikationswege gibt es? Welche Schwierigkeiten und Störungen in der Kommunikation können auftauchen? Wir haben gelernt, wie wichtig Spiegelneuronen im Miteinander sind und wie wir über sie Einfluss auf die Kommunikation nehmen können.
Kleine Atemübungen, kurze Bewegungen mit Händen und Füßen können die Präsenz im Hier und Jetzt verbessern und auf eine aktive Kommunikation hinwirken. In manchen Fällen können sich Traumata bei Patientenbesitzer*innen über das Tier zeigen. Das Tier wird dann zum Anzeiger für Störungen im Familiensystem. Umso wichtiger ist die volle Aufmerksamkeit und Präsenz des/ der Tierheilpraktiker*in während der Gespräche mit den Patientenbesitzer*innen, um solche Besonderheiten zu erfassen.
Letztendlich gilt: „Gelingt die Kommunikation, ist Compliance ein gern gemachtes Angebot.“
Vielen Dank für den interessanten und lehrreichen Vortrag zum Abschluss dieser schönen Tagung!